Home Die Jomswikinger - eine Kriegergemeinschaft ?

In Verbindung mit der Erforschung des legendären Vinetas in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, jenem bedeutenden frühmittelalterlichen slawischen Seehandelsplatz Pommerns, der heute mit Wollin auf der gleichnamigen polnischen Ostseeinsel identifiziert wird, beschäftigte sich die Wissenschaft mehr oder minder mit dem damit in Zusammenhang stehenden kontroversen Problemkreis der Jomswikinger, ihrer Jomsburg und dem Gau Jom an Pommerns Küsten.
Eine jüngere Publikation zur Wikingerforschung, die von einem international anerkannten Wissenschaftlerteam aus Nord- und Westeuropa und den USA im Herbst des Jahres 2000 in deutscher Erstausgabe vorgelegt wurde, nimmt sich ebenfalls dieser bisher nicht endgültig geklärten Thematik an und spricht von den Jomswikingern als "...einem äußerst disziplinierten Kriegerverband, der angeblich in der Jomsburg an der Südküste der Ostsee stationiert war. Diese Festung, die Adam Jumne nennt, war von Harald I. Blauzahn gegründet worden, der dort nach dem Aufruhr seines Sohnes Zuflucht gesucht habe" (P. Sawyer, N. Lund 2000, S. 178). Während über die Wikinger und ihre Zeit, eben die "Wikingerzeit" (8. bis 11. Jahrhundert), im Allgemeinen eine Vielzahl von Quellen und Literatur existieren, sind es im Besonderen über die Jomswikinger nur wenige. Sie fanden in der Forschung wahrscheinlich deswegen weniger Beachtung, da die Jomsburg im Gegensatz zu Vineta archäologisch noch nicht nachgewiesen werden konnte und demzufolge von verschiedenen Wissenschaftlern die Existenz dieser besonderen Wikingergemeinschaft von Seekriegern und wehrhaften Siedlern in Pommern, die später Piraten wurden, gar geleugnet bzw. als bloßes prosaisches Produkt des Mittelalters herabgewertet wird. Um Vineta, die Jomswikinger und die Jomsburg entstand somit ein Jahrhunderte langer Gelehrtenstreit, der in Details bis heute nicht abgeklungen ist.
Aber schon der Altmeister der pommerschen Landesgeschichtsforschung, Professor Dr. Martin Wehrmann (1861-1937), dessen Hauptwerk "Geschichte von Pommern" (1921), bis heute grundlegend ist, bekannte sich darin zur Existenz der Jomswikinger und ihrer Jomsburg in Pommern, indem er feststellte: "Die geringe Macht der an der Südküste der Ostsee wohnenden Stämme mussten die Dänen dazu führen, Stützpunkte für ihre Unternehmungen friedlicher oder kriegerischer Art zu suchen. Von den wenigen Orten der Slawen, die für Handel und Verkehr Bedeutung hatten, scheint der wichtigste Julin (=Wollin, L.M.) gewesen zu sein.... Daher ist es zu erklären, dass die Dänen, die ja die Herren auf See waren, eine feste Niederlassung begründeten und von der Jomsburg aus sich den Ort (Wollin, L.M.) und die Landschaft (Gau Jom, L.M.) untertan machten.... Die dort eingesetzten Häuptlinge oder Jarle machten sich im Laufe der Zeit von ihren heimischen Herrschern immer unabhängiger und begründeten mit ihren Scharen, den Jomswikingern, später einen eigenen Seeräuberstaat.

Von den Häuptlingen Styrbjörn, Sigvaldi, Toke (=Palnatoki, L.M.) u.a. wird in bunter Mischung des Historischen und Sagenhaften so viel erzählt, dass es kaum möglich ist, beides auseinander zu halten. Ihre Gefolgsleute waren bald nur zum kleinsten Teil noch Dänen; Wenden nahmen an den Seekriegen teil. Mit den Dänen zusammen kämpften diese wendischen Wikinger an Schonens Küste auch gegen die Norweger ... König Harald Blauzahn fand 986 den Tod in der Jomsburg, als er von seinem Sohn Sven Gabelbart dorthin geflohen war. Zu dessen Regierungszeit beherrschten die Schiffe der Jomswikinger die Ostsee. Sie unternahmen aber Kriegs- und Raubzüge auch über diese hinaus. Für die Verbindung Dänemarks mit den Wenden blieb bis ins 11. jahrhundert die Jomsburg das wichtigste Bindeglied" (M.W. 1921, S. 48). Auch Erkenntnisse der modernen Wissenschaft verweisen ebenfalls auf die Jomswikinger als geschichtlichen Gegenstand - ein Phänomen, das der Wikingerzeit entsprang und das die Geschichte der Ost- und Nordseeanlieger von der zweiten Hälfte des 10. bis Ende des 11. Jahrhunderts mitbeeinflusste und schließlich nach etwa 150jähriger Existenz im Verlauf dänischer Kriegszüge gegen Pommern im Jahre 1098 vernichtet wurde. Nordische Quellen und Literatur, philologische Untersuchungen, archäologische Teilergebnisse und nicht zuletzt der historische Verlauf in Nord- und Mitteleuropa selbst erhärten in ihrer Komplexität die Existenz der Jomswikinger. Aus dieser Quellenlage lässt sich ableiten, dass die als besonders militant überlieferten Jomswikinger einen eigenständigen Herrschaftsbereich, "Gau Jom" genannt, im pommerschen Oderdelta besiedelten und dort nach nordischem Vorbild eine fortifikatorische Anlage in Form einer Seeburg, die sogenannte "Jomsburg", als Erfordernis der Zeit erbauten. Sie wurde das politische, militärische und kultische Zentrum des Gaues Jom, in deren Hafen bis zu 300 Wikingerschiffe Liegeplätze fanden.
Die frühmittelalterliche slawische Stadt Vineta in der Odermündung, die durch die Archäologie als der historische Vorläufer der heutigen Kleinstadt Wollin erkannt wurde - seinerzeit das wichtigste slawische Zentrum des Handels und des Seeverkehrs in der Ostsee - und über die zeitgenössische Chronisten die wundersamsten Dinge berichteten, kann aber nicht gleichzeitig die Jomsburg der Jomswikinger dänischer Herkunft an Pommerns Küste gewesen sein, wie vornehmlich jüngere Aussagen beweisen wollen. So formulierte der verdienstvolle polnische Archäologe und Historiker Professor Dr. Wladyslaw Filipowiak, der die Grabungen zur weiteren Erforschung Vinetas hinsichtlich Wollins (poln. Wolin) nach dem Ende des 2. Weltkrieges wieder aufnahm und fortführte, folgendes: "Dies ist unser aller Feststellung: Wir bestätigen, dass es sich bei Wolin um das legendäre Vineta und um die Jomsborg handelt" (W.F. 1992, S. 15). Damit wird zwar die philologische Identität Vineta = Jomsburg = Wollin hervorgehoben, aber die Existenz der Jomswikinger und ihrer Jomsburg auf der Grundlage entsprechender nordischer Quellen nicht in Frage gestellt: "(Sie) geben Kunde von den Zügen der Wikinger ins Slawenland. An der südlichen Ostseeküste, vom Bau einer großen Burg, die sie Jom, die Jomsborg (auch Jomsburg) nannten, und von den strengen Gesetzen der Männerwelt in dieser Burg, die zum Ausgangspunkt von Kriegszügen und Seeraub wurde.

Die Lage der Burg wird nicht genau beschrieben, aber man erfährt, dass die Jomsburg dieselbe Stadt ist, die Waldemar I. von Dänemark angegriffen hat und in deren Nähe sein Heer in große Gefahr kam. Die Stadt, die früher Jomsburg genannt wurde, war dieselbe, die um 1170 Julin oder Wolin hieß, von Slawen und Wikingern bewohnt und zahlreichen Zerstörungen ausgesetzt war" (W. Filipowiak 1992, S. 28). Aber bereits die Ausgräber von "Vineta"-Wollin, die deutschen Archäologen Otto Kunkel und Karl August Wilde, die dort in den Jahren 1934 bis 1940 umfangreiche Grabungen durchführten, formulierten in ihrem Grabungsbericht abschließend: "Auf rein archäologischen Weg ließe sich ein vollgültiger Beweis für die Gleichsetzung von Jumne (=Vineta, L.M.) und Jomsburg mit der ausgegrabenen Stadt (Wollin, L.M.) nur durch einen entsprechenden Inschriftenfund oder durch den Nachweis topografischer Besonderheiten der Überlieferung im Gelände führen. Für die Einzelheiten der Jomsburgerzählung, die ... immerhin auf einzelne geschichtliche Tatsachen zurückgehen könnten, sind keinerlei Anhaltspunkte gefunden..." (O.K./K.A.W. 1941, S. 38f). Ähnlich äußerte sich auch der dänische Reichsantiquar, Professor Dr. Johannes Bröndsted: "Ist nun Wollin die Jomsburg gewesen? Dies kann man vorläufig weder bejahen noch verneinen. Es würde das Problem unleugbar fördern, wenn die Stadt oder ihre nächste Umgebung den großen archäologischen Fund einer nordischen Wikingeranlage aufweisen könnte, die einigermaßen den ... Berichten entsprechen würde. Aber das vermag die Stadt nicht" (J.B. 1964, S. 128). In der vorliegenden Abhandlung soll aber weniger die gewiss faszinierende Problematik der verschollenen Stadt Vineta erörtert werden - eine Berliner Wunschvorstellung verlegt jüngst Vineta gar in den Barther Bodden - sondern insbesondere die damit in Verbindung stehenden Jomswikinger, ihre Jomsburg und der Gau Jom in Pommern.

Vornehmlich bei isländischen Quellen, so der "Jomsvikingasaga" (um 1200), der "Fagrskinna" (um 1230), der "Kristnisaga" (um 1250), der "Knytlingasaga" (um 1250), der "Eyrbyggjasaga" (um 1350) und der "Heimskringla" (=Weltkreis), dem bedeutendsten Werk des seinerzeit bekanntesten nordeuropäischen Gelehrten, des Isländers Snorri Sturluson (1178/79-1241), kristallisieren sich ein besonderer Zweig der Wikinger eben die JOMSWIKINGER, und ihr Herrschaftsbereich, der GAU JOM, mit dem Zentrum JOMSBURG an der pommerschen Odermündungsbucht heraus, an der auch das legendäre Vineta lag. Dieser slawische Seehandelsplatz mit internationalem Gepräge, der nicht nur Europäern bekannt war, sondern auch Orientalen - die Forschung sieht in ihm gar einen "autonomen kaufmännischen Stadtstaat" - löste wegen seiner zahlreichen überlieferten Namen in den folgenden Jahrhunderten viel Verwirrung in Gelehrtenkreisen aus. Er wurde von mittelalterlichen Chronisten als "Ubaba" oder "Weltaba" (965, Ibrahim ibn Jakub), "Jom" (1043, Arnorr Thordarson), "Jumne" (1074, Adam von Bremen), "Wolyn" (1124/28, Otto von Bamberg), "Jumneta" (1172, Helmold von Bosau), "Julin" bzw. "Julinum" (nach 1170, Saxo Grammaticus) oder "Lujania" (14. Jh., Abdul Fiday) bezeichnet.

Es ist wie eingangs vermerkt der berühmte historische Vorgänger der heutigen Stadt Wollin auf der gleichnamigen polnischen Ostseeinsel, die sprachwissenschaftlich aus dem Slawischen übersetzt soviel wie "das hügelige Land, die Erhöhung" bedeutet. Und bei der philologischen Deutung des Namens "Jom", den der isländische Skalde Arnorr Thordarson in seiner "Magnusdrapa" (1043) verwendete, ist festzustellen, dass die Wikinger diese Bezeichnung anscheinend dem Baltischen entlehnten, also der Sprache der Völker an der südlichen Ostseeküste, und die soviel wie "(Sand-) Insel" bedeutet. Demzufolge sind die Jomswikinger schlicht und einfach die "Inselwikinger" und der Gau Jom ist ihr "Inselgau". Die Jomsburg wäre dann die "Inselburg" oder die "Burg bei den Inseln". Diese Wikinger, die sich dort zwischen den Jahren 940 und 970 in der Odermündung festsetzten, konnten damit keine treffendere Bezeichnung für die Ostseeinseln Usedom und Wollin finden. Details über die Jomswikinger, ihre Taten und ihre Zeit finden sich auch in der "Färingersaga" (nach 1200), der "Olafssaga Tryggvasonar (nach 1200), in der "Roskilde-Chronik" von 1140, in der "Historia de Antquitate Regum Norvegiaensium" des norwegischen Geistlichen Theodoricus monachus von etwa 1178/79, in der norwegischen Quelle "Agrip" um 1190, in der "Dänischen Chronik" des Sven Aggesen um 1185 und in den "Gesta danorum" (Taten der Dänen) des Saxo Grammaticus nach 1185. Und wenn die zeitgenössischen deutschen Chronisten, so Adam von Bremen und Helmold von Bosau, in ihren Werken "Hamburgische Kirchengeschichte ..." (um 1074) und "Chronik der Slawen" (um 1172) anstatt "Jom" oder "Jomsburg" ein "Jumne" bzw. "Jumneta" nennen, beziehen sie sich anscheinend nicht nur auf die seinerzeit bedeutendste slawische Ostseehandelsmetropole Jumne, das Vineta der Legende, sondern auch auf die Jomsburg, die nicht in unmittelbarer Nähe Wollins gelegen haben muss, und den Gau Jom als Gesamtheit.

Alle die genannten Quellen, vor allem die nordischen, überliefern also die Jomswikinger, ihre Jomsburg und einen Gau Jom an den Küsten Pommerns, wenn auch fragmentarisch oder skizzenhaft. Aus diesen Puzzle historischer Nachrichten des mittelalterlichen Nordeuropas, die durch die genannten zeitgenössischen arabischen und deutschen Chronisten indirekt ihre Bestätigung finden, lässt sich für die geschichtliche Entwicklung unseres heimatlichen Raumes unzweifelhaft folgendes ableiten: Inmitten der deutschen, polnischen, pommerschen und dänischen Einflusssphäre im Bereich des Oderdeltas bestand vom 10. bis 12. Jahrhundert ein autonomer Gau Jom nordischer Prägung, der insbesondere die Ostseeinseln Usedom und Wollin und das benachbarte Festland am südlichen Greifswalder Bodden zwischen dem Küstenfluss Ryck und der Peenemündung, also die geschichtliche Landschaft "Wostrose" (Wusterhusen), nordisch "Woztrosa" genannt, umfasste, in dem vorrangig Jomswikinger dänischer Herkunft als Seekrieger und wehrhafte Siedler ansässig waren. Ihr politisches, militärisches und kultisches Zentrum bildete die noch nicht archäologisch gesicherte Jomsburg mit einem Hafen, der bis zu 300 wikingerzeitlichen Kriegsschiffen, sogenannten Skeids, Liegeplätze bot. In der Jomsburg, die im Bereich dieses großen Gau Jom zu suchen ist, residierten Jarle, den deutschen Herzögen vergleichbare nordische Adlige, oder Häuptlinge als Anführer der Kriegergemeinschaft, von denen folgende überliefert wurden: Palnatoki von Fünen (um 940-um 986), Sigvaldi Haraldsson von Schonen (um 986-1002?), Thorkel der Hohe (um 1002-1024) und Prinz Sven Alfivason (1024-1030), der Sohn des Nordseeimperators Knud des Mächtigen (1016-1035). Im Gau Jom befand sich auch die Stadt Jumne bzw. Vineta, die die Wikinger im Unterschied dazu nur als "Jom" bezeichneten. Der "Stadtstaat" bildete sicherlich das wirtschaftliche Rückgrat der Jomswikinger, die sozusagen als Besatzungs- oder Schutzmacht auch Jumne bis etwa 1019 vor Überfällen von See oder zu Lande her abschirmten. 
Für die Existenz der Jomswikinger in Pommern sprechen des Weiteren Verse von Skalden, jenen fahrenden nordischen Sängern und Dichtern zur Wikingerzeit, auf die bereits der international anerkannte Nordist, Professor Dr. Walter Baetke (1884-1978), aufmerksam machte und die "Quellen ersten Ranges für die frühnordische Geschichte sind". Es sollen einige Skalden Erwähnung finden, die in ihren Strophen Bezug zu unserem heimatlichen Küstenraum nehmen: Skuli Thorsteinsson (um 970-um 1040), der Enkel des berühmtesten Skalden und Helden der isländischen Wikingerzeit Egil Skallagrimsson (um 910-um 990), war bei der Seeschlacht von Svoldr am 9. September 1000 zugegen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im Greifswalder Bodden stattfand. Hallfred Ottarson (um 950-1007?), der Hofskalde des Norwegerkönigs Olav I. Tryggvason (995-1000), muss nach Aussage Snorris Jarl Sigvaldi von der Jomsburg persönlich gekannt haben, da er auf ihn ein Preislied dichtete und dafür mit einem wertvollen Ring geehrt wurde. Ebenso dichtete Thord Sigvaldaskald ein Preislied auf seinen Gönner von der Jomsburg. Der Skalde Stefnir hingegen, der durch den isländischen Geschichtsschreiber Ari Thorgilsson (1067-1148) bezeugt ist, bezahlte seinen Spottvers auf Jarl Sigvaldi mit dem Leben. Arnorr Thordarson Jarlaskald (um 1010-um 1070), der Dichter der Orkney-Jarle, verherrlichte in seiner "Magnusdrapa" die siegreichen Schlachten des dänisch-norwegischen Königs Magnus des Guten (1035-1047) und war anscheinend Augenzeuge eines Kriegszuges dieses Königs gegen die Pommern, Jomswikinger und Obotriten im Sommer 1043. Der isländische Skalde und langjährige Gesetzessprecher seiner Heimatinsel, Markus Skegiason (um 1050-1107), ein Freund des dänischen Königs Erik I. Ejegod (1095-1103), überlieferte in seiner "Eriksdrapa" einen Kriegszug dieses Königs wider Pommern, wobei anscheinend 1098 die Jomsburg und die Stadt Wollin, das sagenhafte Vineta, heimgesucht wurden. Sogar der Skalde und Bischof der Orkney-Inseln, Bjarni Kolbeinsson (um 1160-1223), wusste von den ungestümen Taten der Jomswikinger und verfasste um 1200 ein umfangreiches Epos über sie, das wie weitere skaldische Werke in deutscher Übersetzung vorliegt. Auch die erwähnten dänischen Chronisten Sven Aggesen und Saxo Grammaticus, die an dänischen Kriegszügen gegen Pommern unter Bischof Absalon von Roskilde (1128-1201), dem späteren Erzbischof von Lund, in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts teilnahmen, müssen diese Burg, besser ihre Rudimente, letztmalig gesehen haben. Sven Aggesen bezeichnete die Jomsburg als "Hynnisburg" bzw. "Hyumsburg", und Saxo kannte eine "Jomensis- oder Jumensis provincia", also den Gau Jom. Er unterscheidet für die Zeit vor 1200 stets zwischen einem "Julinum oppidum" und einem bloßen "Julinum". Mit dem ersten Begriff ist die slawisch-pommersche Stadt Jumne des Adam von Bremen gemeint, das die Archäologie mit VINETA = WOLLIN identifizierte, mit dem zweiten stets die nordische Burganlage, die noch ihrer Entdeckung harrt.

Die nordischen Skalden, Sagaverfasser und Geschichtsschreiber haben sich also hinsichtlich der Jomswikinger, der Jomsburg und dem Gau Jom in Pommern weder geirrt noch ihrer Phantasie freien Lauf gelassen haben, auch wenn es ihnen teilweise von späteren Zeitgenossen unterstellt wurde und wird. Zudem sind zahlreiche Orte slawischer Herkunft in unserer Region, Inseln, Meeresbuchten und Gewässer auch mit nordischen Namen, vor allem dänischen, überliefert, wie insbesondere der Forscher Hans Jänichen (1938) ermittelte. Aus der Vielzahl können an dieser Stelle stellvertretend nur einige genannt werden: Wolgast (Valagust), Gützkow (Kotskogaborg), Insel Usedom (Fuznon), Stadt Usedom (Usna), Wusterhusen (Woztrosa), Stralsund (Straelu), Insel Rügen (Re), Insel Hiddensee (Hedinsey), Insel Koos (Kuaviz), Arkona (Arkun), Strelasund (Örvarsund), Tribsees (Tribudis), Barhöft (Byr), Greifswalder Bodden (Svoldr vag?), Peenemündung (Grönasund?). Diese Namen widerspiegeln augenscheinlich die nordische Beeinflussung unseres heimatlichen Küstenraumes im Mittelalter.  Die Existenz der Jomsburg in Vorpommern gewinnt mehr und mehr an Bedeutung, da in Dänemark, der ursprünglichen Heimat der Jomswikinger, vor Beginn und nach Ende des 2. Weltkrieges vier Burgen bzw. Militärlager aus der Zeit der dänischen Wikingerkönige Harald Blauzahn (um 940-985/86), Sven Gabelbart (986-1014) oder Knud den Mächtigen (1016-1035) archäologisch erschlossen wurden: "Trelleborg" auf der Insel Seeland, "Aggersborg" am Limfjord in Nordjütland, "Fyrkat" bei Hobrö in Ostjütland und "Nonnebjerg" (Nonnebakken) am Fjord von Odense auf der Insel Fünen. Von hier stammte übrigens auch der erste überlieferte Gebieter der Jomswikinger und Reorganisator der Burganlage, der Hofverbandbesitzer und erfahrene England-Wiking Palantoki, ein Günstling König Harald Blauzahns, der in Wales die Jarlswürde erhielt. In jüngster Zeit (seit 1994) gruben schwedische Archäologen eine "Trelleborg" in der gleichnamigen südschwedischen Hafenstadt in der Provinz Skane (Schonen) aus, die der Verfasser im April 1998 besichtigen konnte. Dieses heutige schwedische Gebiet war während der Wikingerzeit von den Dänen unter ihren Königen Gorm der Alte (um 900-um 940) oder Harald Blauzahn erobert worden. Gebürtiger Schone war übrigens der zweite überlieferte Jarl der Jomswikinger, Sigvaldi Haraldsson. Die in Dänemark und Schweden freigelegten und zum Teil rekonstruierten "Wikingergarnisonen", die jeweils bis zu 1200 Krieger aufnehmen konnten, waren Militärlager und Flottenbasis zugleich und dienten unter anderem der Erziehung und Ausbildung von privilegierten Berufskriegern, sogenannten "Kämpen" Diese treuen Gefolgsleute der dänischen Herrscher setzten deren Politik auch in unterworfenen Ländern, so in England und in den slawischen Gebieten, letztlich mit Waffengewalt durch.

Unter diesen militärisch-strategischen Gesichtspunkten wurde offensichtlich auch die Jomsburg zur Sicherung der dänischen Interessen am Nadelöhr mehrerer slawischer Herrschaftsbereiche, so der Lutizen, Pommern, und Polen in der späteren östlichen deutschen Grenzregion - der Odermündung - an der vorpommerschen Küste angelegt, die anscheinend auf eine ältere slawische Küstenburg zurückgeht. Die Jomsburg ist demzufolge in die Reihe frühmittelalterlicher Befestigungen von Holz-Erde-Konstruktionen einzuordnen, die teilweise über steinerne Trockenmauern verfügten und nach einem gewissen Grundschema entstanden, aber dennoch in verschiedenen Bauweisen errichtet wurden. "Diese Burgen unterschieden sich kaum von solchen, die König Heinrich I. (919-936) gegen die Ungarneinfälle ... errichten ließ. (Sie) ... waren im gesamten Gebiet der Wikinger, von der Wikinger-Kaserne Trelleborg auf Seeland bis Kiew (im alten Russland, L.M.) in ihrer Vielfältigkeit ähnlich" (H. Schröcke 1996, S. 123).

Nach der endgültigen Vernichtung der Jomswikinger 1098 durch König Erik I. Ejegod von Dänemark und der damit erfolgten Schleifung bzw. Verbrennung ihrer Burg, setzte, ebenso wie bei dem etwa einhundert Jahre später zerstörten Jumne-Wollin von der Nachwelt ein heftiger Meinungsstreit über Existenz und Lage ein, der in Bezug auf die Jomsburg bis heute nicht erloschen ist. Vertreter der älteren deutschen, dänischen und polnischen Forschung suchten die Wikingerburg auf den Inseln Usedom und Wollin und sogar im Greifswalder Bodden. Auch die Stadt Wolgast und in jüngster Zeit sogar Koserow/Lüttenort am Achterwasser wurden als mögliche Standorte der Jomsburg angesehen, so dass sich die Befürworter selbst über die Lage dieser einstigen Wikinger-Seefeste bis heute nicht einig sind (Vgl. Übersicht von Standpunkten...). Mit dem Fund von acht wikingischen Goldringen vom Ende des 10. Jahrhundert in den Jahren 1905/08 an der Nordspitze der Insel Usedom, dem Peenemünder Haken, galt es seinerzeit als sicher, dass dort die Jomsburg gestanden habe, zumal 1938 ein weiterer Wikingerfund, ein goldener Armreif, aus der Peene bei Peenemünde gebaggert wurde. Aber die Archäologie hat dort weder Vineta noch die Jomsburg finden können. In diesem Bereich werden archäologische Zeugnisse kaum noch zutage treten, da Peenemünde und der Nordteil der Insel Usedom sowohl während der Zeit des Faschismus in Deutschland (1933-1945) als Raketen-Versuchsgelände als auch während des Bestehens der ehemaligen DDR (1949-1990) als Hafen der 1. Flottille der Volksmarine militärischen Zwecken diente und in diesen Sperrgebieten entsprechende Überbauungen stattgefunden haben.

Sieht man das Fazit aller bisherigen Recherchen, kristallisiert sich die Peenemündung als der Raum heraus, wo die Jomsburg mit ziemlicher Sicherheit angelegt wurde und sich zum Zentrum des Gaues Jom entwickelte. Darauf machte vor Jahrzehnten bereits der Forscher Richard Hennig aufmerksam, indem er in seiner Publikation feststellte: "...militärisch steht fest, dass eine Feste Jomsburg im 10. und 11. Jahrhundert nur an der Peenemündung Sinn und Zweck an der pommerschen Küste hatte, verkehrsgeographisch steht fest, dass in dem Peenetief in der vorkompasslosen Zeit die wichtigste Verbindungsstelle zwischen den westlichen und östlichen Teilen der südlichen Ostsee lag" (R. H. 1935, S. 62). Ausgehend von der Peene als wichtigste frühmittelalterliche Wasserstraße des Oderdeltas ins pommersch-polnische Hinterland, kommt nach Recherchen des Verfassers zufolge für die Anlage der Jomsburg und ihres Hafens nur ein Terrain in Vorpommern in Frage, das von der Forschung bisher nicht berücksichtigt wurde und dessen Standpunkt er seit 1980 vertritt: Die Jomsburg wurde bei dem heutigen Küstenort Spandowerhagen an der gleichnamigen Wiek gegenüber dem Nordteil der Insel Usedom errichtet. Die Spandowerhagener Wiek ist eine größere westliche Ausbuchtung der Peenemündung in den südlichen Greifswalder Bodden, die durch die ihr vorgelagerte Insel "Der Struck" halbkreisförmig aussieht.
Die geographischen Verhältnisse, ihre Größe und die Wassertiefe dieser Wiek könnten auch heute 300 Wikingerschiffen Liegeplätze bieten, wobei die flache Insel Der Struck - heute Schutzgebiet - eine ausgezeichnete "Schiffslände", eine frühe Werft, der Jomswikinger gewesen sein könnte. Es ist aber kaum anzunehmen, dass die Flottenmacht von 300 Schiffen, die die Macht und Stärke der Jomswikinger verkörperte, in dieser konzentrierten Form jemals im Hafen der Jomsburg in dieser Wiek gelegen hätte, denn es wurde ausdrücklich überliefert: "Ein Teil der Burg stand in die See hinaus. Und darin ließ er (Palnatoki, L.M.) einen Hafen bauen, so groß, dass dreihundert Langschiffe darin liegen konnten..." (THULE XIX, S. 405). Und die entsprechenden Burggebäude der Jomsburg analog der dänischen und schwedischen Wikingerburgen werden innerhalb einer Palisade mit Wall und Graben auf dem höher gelegenen Festland in westlicher Richtung, in der heutigen Lubminer Heide, errichtet worden sein. Ausgehend von Forschungen in der Wikingerstadt Haithabu mit ihrem fast kreisförmigen Wall und Hafen an der Schlei in Schleswig-Holstein, kam der Schiffshistoriker Detlev Ellmers (1984, S. 162) zu folgendem Schluss "Einen solchen Verteidigungswall rund um das Hafenbecken muß auch die Jomsburg des späten 10. Jahrhunderts gehabt haben, selbst wenn alle übrigen Angaben der betreffenden Saga (der Jomsvikingasaga, L.M.) so vor allem die mit Eisentoren verschließbare Hafeneinfahrt mit dem Steinturm darüber, dem Reich der Phantasie zuzuweisen wären. Das Hafenbecken bot Platz für eine große Anzahl von Kriegsschiffen ..., muss also den dazu nötigen flachen Strand gehabt haben.

Wieweit die Identifizierung dieser Jomsburg mit Wollin und der Stadt der Ubaba gesichert ist, soll hier nicht untersucht werden. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass sich beide Berichte (Ibrahim ibn Jakub und Jomsvikingasaga, L.M.) auf ähnliche Hafenanlagen beziehen, von denen die der Jomsburg ... nur als Kriegshafen verwendet wurde". Zudem wäre an dem betreffendem Abschnitt an der vorpommerschen Küste ein natürlicher Schutz der Jomsburg von Angriffen von See her durch den flachen, teilweise trockenfallenden und um die Insel Struck verlaufenden submarinen "Freesendorfer Haken" gegeben gewesen. Jüngere physisch-geographische Untersuchungen in der Spandowerhagener Wiek scheinen die These des Verfassers über die Anlage der Jomsburg und ihres Hafens in dieser Küstenregion zu untermauern (Vgl. H.J. Subklew 1986, S. 33ff). Mein Freund und Partner, der gebürtige Pommer und heute in Essen wirkende Techniker Harald Krause nahm entsprechende mathematische und technische Recherchen zur Jomsburg und ihrer Fortifikation, der Flotte und des Hafens, der Spandowerhagener Wiek und ihres Umlandes sowie der Versorgungslage der nach ihm bis zu 1300 Mann ermittelten ständigen Jomsburg-Besatzung vor.  Wenn des Weiteren davon ausgegangen wird, dass bis zum gewaltigen Sturmflutjahr 1304 eine Landverbindung bzw. ein leicht unter der Wasseroberfläche des Greifswalder Boddens befindlicher submariner Rücken - einer Furt ähnlich - zwischen der heutigen kleinen Insel Ruden und dem Ort Thiessow auf der Halbinsel Mönchgut (Rügen) bestand (die Tiefenverhältnisse des Boddens in diesem Bereich sprechen eindeutig dafür), der nur die schmale Durchfahrt an der Nordspitze Usedoms für die Schifffahrt freigab, die heute "Das Loch" genannt wird, hätten die dänischen Jomsburg mit der Anlage ihrer Jomsburg an der Spandowerhagener Wiek eine sehr günstigen Platz gewählt. Wie es ihrem Wesen entsprach, hatten sich die wikingerzeitlichen Nordländer als Seekrieger, Eroberer, Kolonisten oder Raubhändler, sozusagen als Wikinger im militanten Sinne des Wortes, analog anderer Küstengegenden zwischen Nowgorod und Neufundland auch im slawisch-pommerschen Odermündungsbereich niedergelassen. Die wahrscheinliche Lage der Jomsburg an der Spandowerhagener Wiek bot den Jomswikingern Vorteile in dreifacher Hinsicht:

  1. Die Seeburg fungierte als Zwischenstation für die dänischen Schiffe, die den kürzesten Seeweg von Dänemark - Ostsee - Gellen (Hiddensee) - Strelasund - Greifswalder Bodden - Peenstrom - Stettiner Haff - benutzten bzw. von dort nach Dänemark zurück. In dem Zusammenhang war auch die Beobachtung der Küsten der Insel Rügen möglich, auf der die den Wikingern konkurrierende Völkerschaft der slawischen Ranen siedelte, die während der Wikingerzeit die südliche Ostsee durch Seeraub verunsicherte.

  2. Von der Jomsburg an der Spandowerhagener Wiek konnte der Handelsverkehr auf dem Peenestrom zum angrenzendem Hinterland mit dem Seehandelsplätzen Wolgast, Menzlin, Groswin, Usedom, Wollin und Stettin wirksam kontrolliert werden, wobei der jeweilige Jarl der Jomsburg sicherlich Zoll erhob.

  3. Die Spandowerhagener Wiek war der strategisch vorteilhafteste Küstenabschnitt des Oderdeltas, um die Fahrten fremder Schiffe im Greifswalder Bodden durch das "Loch" in die pommerschen, polnischen und baltischen Seehandelsplätze zu überwachen und zugleich bei politisch-militärischem Erfordernis schnell in die Ostsee vorzustoßen.

Die Anwesenheit von Wikingern, wahrscheinlich sogar der Jomswikinger, im östlichen Küstenraum Mecklenburg-Vorpommerns wird deutlich durch die 1938, 1965 bis 1969 und 1990 durchgeführten umfangreichen Grabungen bei Menzlin in der Peeneniederung, westlich der Stadt Anklam, unterstrichen. Auf einem Areal von 9,7 ha kamen Teile einer Siedlung mit slawischen und wikingischen Funden zum Vorschein sowie acht schiffsförmige Steinsetzungen nach skandinavischem Vorbild, elf Steinkreise und 33 Brandgräber. Die Archäologie erkannte in dieser Ausgrabungsstätte einen frühen Seehandelsplatz, in dem Slawen und Wikingern etwa zwei Jahrhunderte, vom 8. bis 10. Jahrhundert, friedlich neben- und miteinander lebten, handelten und produzierten und dort auch ihre letzte Ruhe fanden. Da die Siedlung Menzlin mit ihrer ethnisch gemischten Bevölkerungsgruppe vor oder kurz nach der Jahrtausendwende ein jähes unerklärliches Ende fand und in der die Archäologie rechnerisch bis zu 850 Gräber ermittelte, wäre eine Heimsuchung durch die Jomswikinger aus dem benachbarten Gau Jom nicht auszuschließen. Wie dem auch sei, Menzlin hat seine Geheimnisse noch nicht endgültig preisgegeben.

Neben der slawisch-wikingischen Siedlung Menzlin mit ihrem umfangreichen Fundmaterial unterstreichen weitere zahlreiche Funde auf den pommerschen Ostseeinseln Rügen, Hiddensee, Usedom und Wollin und in konzentrierter Form auf dem vorpommerschen Festland beiderseits des Unterlaufs der Peene einen stärkeren nordischen Einfluss. In der Stadt Usedom, im Gebiet "Am Hain", haben in jüngster Zeit Archäologen der Greifswalder Universität zahlreiche Gräber skandinavischen Typs freigelegt, deren Alter auf rund 900 Jahre datiert wird und die Parallelen zu Menzlin aufweisen. Darunter befand sich auch ein Kammergrab mit reichhaltiger Beigabe von Waffen, das auf einen nordischen Häuptling oder Krieger schließen lässt Den Ausgräbern offenbarte sich eine weitere Überraschung: 20 Gräber waren in hölzernen, zusammengenieteten Fischerbooten niedergelegt worden, so dass sich die Frage erhob, ob seinerzeit auch in oder bei der Stadt Usedom Nordländer lebten oder ob lediglich die hier alteingesessene slawische Bevölkerungsgruppe von den Bestattungsriten der Skandinavier derart beeinflusst war, dass sie diese auf sich übertrugen. Diese rätselhaften Bestattungsformen, an deren Lösung weiter geforscht wird, unterstreicht die Annahme des Verfassers eines im frühen Mittelalter stärkeren als bisher angenommenen Einwirkens des slawischen Vorpommerns - insbesondere der Insel Usedom - durch die Wikinger, vielleicht sogar durch Jomswikinger. Da das geschätzte Alter der Gräber somit in das 11. und 12. Jahrhundert fällt, wäre weiter daraus zu schlussfolgern, dass die in slawischer Erde bestatteten Nordländer unterschiedlichen Alters, Geschlechts und sozialer Stellung im Zuge dänischer Angriffe unter den Königen Erik I. Ejegod 1098 und Nils 1119 gegen Pommern ins Land kamen und hier im Schutz der starken Feste Usedom sesshaft wurden. Oder waren es gar slawisierte Jomswikinger, die der vernichtenden Schlacht unter König Erik I. im Gau Jom 1098 entkamen und sich ins Hinterland, in den Süden der Insel Usedom retten konnten? Mein Mitstreiter Harald Krause sieht in diesem Usedomer Phänomen wirtschaftliche Hintergründe. Danach waren die am Marktflecken Usedom bestatteten Wikinger - ob nun Jomswikinger oder nicht - bootsbesitzende Klein- oder Küstenhändler, die hier wie andere Wikinger zuvor in Menzlin der slawischen Bevölkerung unter anderem auch Beutegut der Jomswikinger veräußerten. Die Bestattung in den Booten der Größenordnung "Fischerboot" würde demzufolge das kaufmännische Element dieser nordischen Bevölkerungsgruppe Usedoms unterstreichen (vgl. L. Mohr/H. Krause 2002, S. 16). Endgültige Gewissheit darüber können nur weitere Forschungen erbringen.

Diese Funde markieren anschaulich die Wege, die einst die Wikinger und ihre dänischen Nachfahren zu Wasser und zu Lande in der Zeit vom 8. bis 12. Jahrhundert in Vor- oder Westpommern und Ostmecklenburg genommen haben. Funde von nordischen Waffen, Schmuck, Keramik, Hacksilber und Münzen, so aus Wolkow bei Demmin, Loitz, Gützkow, Wahlendow und Schwerinsburg bei Anklam, Thurow/Züssow bei Greifswald, Groß Ernsthof und Karrin bei Wolgast sowie Peenemünde, Gellenthin/Vossberg, Quilitz, Reetzow und Liepe auf der Insel Usedom - also beiderseits der Peene und des Peenestromes - situieren die Lage der Jomsburg explizit auf das Festland an der Peenemündung, nahe des heutigen Küstenortes Spandowerhagen an der gleichnamigen Wiek des Greifswalder Boddens. Von der älteren pommerschen, polnischen und dänischen Forschung wurde die Jomsburg auf Usedom und Wollin gesucht, auch Wolgast und eine inzwischen untergegangene Insel im Greifswalder Bodden, der heutige "Veritasgrund" wurden in Betracht gezogen. Im Jahre 1929 vermeldete die pommersche Presse gar, dass das Rätsel um die Jomsburg gelöst sei und sich die Anlage nach Forschungen des Geheimrats Georg Domizlaff an der Grenzscheide zwischen den späteren Seebädern Ahlbeck und Heringsdorf befunden hätte. Aber ernsthafte Ausgrabungen, um dafür Beweise zu erbringen, unterblieben aber. Die Forschung konzentrierte sich auf Wollin. Obwohl Wollin, wie eingangs dargelegt, als das legendäre Vineta erkannt wurde, fanden sich hier keine Beweise für die Existenz der Jomsburg. Allein aus strategischer Hinsicht wäre hier im geschützten Hinterland am Ufer der Dievenow eine derartige fortifikatorische Anlage wie die der Jomsburg überflüssig gewesen, aber nicht an einer so bedeutenden Flussmündung wie die der Peene!

Besonders die wikingerzeitlichen Münzfunde, die im Peeneraum zum Vorschein kamen, erwiesen sich als Prägungen nordischer Könige, die immer im Zusammenhang mit den Jomswikingern und ihrer Jomsburg standen, so die dänischen Herrscher Hardeknud (1035-1042), Magnus der Gute (1035-1047), der zugleich norwegischer König war, Sven Estridsen (1047-1074/75) und Harald Hein (1075-1080) sowie die norwegischen Könige Olav I. Tryggvason (995-1000) und Harald Haarderaade (1047-1066). Es fanden sich aber auch Münzen aus der Regierungszeit angelsächsischer Könige nordischer Herkunft, so Harold I. (1035-1040), Eduard III. der Bekenner (1042-1066) und Wilhelm der Eroberer (1066-1087). Die englischen Münzen stammen sicherlich von Kriegs- oder Raubzügen der Jomswikinger gegen England, die mit Billigung ihres dänischen Königs Sven Gabelbart (986-1014) unter der Führung des Jomswikingers Thorkel des Hohen etwa seit 1002 permanent England heimsuchten. Die wertvollen Goldschmuckfunde von der Insel Hiddensee und von Peenemünde, die während der Regierungszeit Harald Blauzahns oder Sven Gabelbarts hergestellt wurden und sozusagen unmittelbar am Seeweg von Dänemark - südliche Ostsee (Hiddensee) - Strelasund - Greifswalder Bodden - Peenestrom - Stettiner Haff nach Wollin gefunden wurden, schließen sozusagen den Kreis von Beweisen für die Existenz der Jomswikinger und ihrer Seeburg an Pommerns Küste.

In diesem Zusammenhang sollen Runensteine in Schweden, Dänemark und Schleswig-Holstein, deren Inschriften auf Schlachten verweisen, an denen wahrscheinlich Jomswikinger an der Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert gegen andere Wikinger in den Nordlanden fochten, nicht näher erörtert werden. Die Gemeinschaft der Jomswikinger auf pommerschen Boden war durch die Politik ihrer Jarle und Häuptlinge seinerzeit zu einem selbständigen und berühmt-berüchtigten Machtfaktor geworden, den die Völkerschaften des Ost- und Nordseeraumes fürchteten. "Hier stand die berühmte Burg der Jomswikinger mit den strengen, festen Regeln, der unbeugsamen Disziplin und der großartigen Ingenieuranlage, einem künstlichen Hafen mit Platz für 300 Langschiffe. Von hier gingen die Kriegszüge der Jomswikinger aus, von hier aus nahmen sie an allen großen Kämpfen des Zeitalters teil, und zwar bei Hjörungavag in Norwegen, bei Svoldr im Wendland (Pommern) oder Dänemark und bei Fyrisvold in Schweden, und der Glanz der Tapferkeit, der sie umstrahlte, besteht durch die Zeiten hindurch, unbeeinflusst vom Ausgang des Kampfes" ( J. Bröndsted 1964, S. 128).

Die Jomswikinger und ihre Taten fügen sich derart überzeugend in die frühe Geschichte Skandinaviens, Pommerns und Polens ein, so dass es - aus welchen Beweggründen auch immer - ungerechtfertigt ist, diese zu negieren. Der Inhalt der im Text aufgeführten nordischen und deutschen Quellen ermöglichen in Verbindung mit den gewonnenen Forschungsergebnissen hinsichtlich der Jomswikinger folgenden historischen Exkurs: Im Rahmen der machtvollen Auseinandersetzungen des frühfeudalen Deutschen Reiches, Dänemarks und Polens um innenpolitische Stabilität und territoriale Erweiterung auf Kosten der slawischen Nachbarn, so auch Pommerns, in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts, gerieten die Interessen der damaligen Herrscher Otto der Große (936-973), Harald Blauzahn (um 940-985/86) und Mieszko I. (um 940-992) an der Odermündung aneinander, da sie den Schlüssel zum ökonomisch bedeutsamen Hinterland mit der reichen Kaufmannsrepublik Wollin bildete. Da der deutsche König und spätere Kaiser Otto I. mit enormen innen- und außenpolitischen Problemen konfrontiert war, nutzten Polen und Dänemark die Gunst der Stunde. Der polnische Herzog Mieszko I. drang in Pommern ein und besiegte um 967 die Wolliner und 972 ein markgräflich-deutsches Feudalheer.

Etwa zeitgleich kreuzten die Dänen unter ihrem König Harald Blauzahn mit starker Flottenmacht an der polnisch-pommersche Küste auf, um sich ihren Anteil an dem gewinnbringenden Handel, der vorrangig über Jumne abgewickelt wurde, zu sichern und unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei wurde anscheinend auch die alte slawische Burg- und Tempelsiedlung Wolgast eingenommen, die zugleich als Sperrfort den unteren Lauf der Peene überwachte. Ein Teil der Seekrieger König Harald Blauzahns setzte sich an Pommerns Küste fest, an die aber auch Krieger des polnischen Herzogs Mieszko I. vorgedrungen waren, die Pommern unterworfen hatten. Eine weitere nordische Quelle berichtete über den dänischen Wikingerkönig und seine Krieger: "Er (Harald Blauzahn, L.M.) war ein mächtiger König und großer Kriegsmann. Er erwarb das Holstenland (Holstein, L.M.) im Sachsenland (das heutige Niedersachsen, L.M.), auch hatte er ein großes Jarlsreich im Wendenlande (Pommern). Er ließ dort die Jomsburg anlegen und legte eine große Besatzung dorthin. Er gab ihnen Sold und Gesetze, und sie unterwarfen ihm das Land (den Gau Jom, L.M.). Im Sommer lagen sie auf Heerfahrt, aber im Winter saßen sie daheim. Sie wurden Jomswikinger genannt" (Knytlingasaga, THULE XIX, S. 223).

Während dieser Zeit muss es zwischen Harald Blauzahn und Mieszko I., der auch mit den nordischen Namen "Dago" und "Dahome" überliefert wurde, zu einem Vertragsabschluß gekommen sein, den in königlichen Auftrag Jarl Palnatoki vollzog und auf dessen Grundlage die Dänen von den Polen Küstenland an der Odermündung zur Ansiedlung zugewiesen bekamen - den Gau Jom. Die nordischen Überlieferungen vermerken ausdrücklich, dass die Jomswikinger vom damaligen Herrscher der Polen als seine "Degen" angesiedelt wurden, "damit er (Palnatoki, L.M.) ihm (König Burisleif = Herzog Mieszko I. oder Boleslaw I., L.M.) sein Land und sein Reich verteidige". Der slawische Herrscher ließ an Palnatoki weiterhin übermitteln: "... er wolle ihm von seinem Lande einen Gau geben, der Jom hieß ..., damit er sich dort niederlasse. Das nahm Palnatoki an und ließ sich dort nieder mit allen seinen Mannen" (Jomsvikingasaga, THULE XIX, S. 405). Als Gegenleistung dafür hatten die Dänen, die an Pommerns Küste verblieben, den Schutz der polnisch-pommerschen Küste zu gewährleisten. Entsprechend der nordischen Quellenlage entstand in den Jahren zwischen 940 und 970 im Bereich dieses Gaues an exponierter Stelle die fortifikatorische Anlage der Jomsburg mit ihrem großen Hafen, Siedlung und Kultstätte.

Die neue Gemeinschaft der Jomswikinger, auch "Schwertbrüderschaft der Jomsburgwikinger" genannt - Krieger und Siedler in einer Person und ohne Familie - unterordnete sich freiwillig Gesetzen, die der erste überlieferte Herr der Jomswikinger, der walisische Jarl und mächtige Hofverbandbesitzer Palnatoki (von Fünen) sicherlich in Übereinstimmung mit König Harald Blauzahn erlassen hatte. Sie überdauerten die Zeit und sind modern ausgedrückt als eine Art militärischer Vorschriften anzusehen. Die Jomsburg wurde zu einem Zentrum nordischer Recken, in der Angehörige aller nordischer Völkerschaften, ja sogar Isländer nachweisbar vertreten waren. Moderne nordische Autoren charakterisieren die Kriegergemeinschaft der Jomswikinger wie folgt: "Die Gesellschaft der Jomswikinger war zweifellos eine gute Kriegsschule, aber wie viele der zahllosen Wikinger, die Europa überfluteten, sind aus der pommerschen Schule (der Jomsburg, L.M.) hervorgegangen?" (O. Madsen 1976, S. 31). Diese Anzahl lässt sich nicht mehr ermitteln.

Aufgrund ihres besonderen Status, waren die Jomswikinger sowohl dem dänischen König als Gefolgsleute verpflichtet als auch als "Degen" dem Polenherzog untertan. Um das Jahr 985 erschütterte der Machtkampf zwischen dem greisen König Harald Blauzahn, der sich zum Christentum bekannte, und seinem nach der Königswürde strebenden jungen Sohn Sven Gabelbart, Anhänger der alten heidnischen Religion, Dänemark schwer. Der Thronkampf, der sich zum Bürgerkrieg ausweitete, bewirkte weitreichende Folgen für die Jomswikinger. In der legendären "Seeschlacht von Helgenes" bei Bornholm unterlag schließlich Blauzahn seinem Sohn und wurde schwer verwundet. Der Jomswikingeradel bezog in diesem Machtkampf eine unterschiedliche Position: Jarl Palnatoki bekannte sich zu Sven Gabelbart, in dem er - so die Legende - während einer nächtlichen Kampfpause an der Küste Bornholms ein Attentat in Form eines hinterhältigen Pfeilschusses auf den König verübte. Aber der nach Palnatoki seinerzeit zweitmächtigste Anführer der Jomswikinger, Styrbjörn der Starke, der zugleich schwedischer Thronanwärter war, rettete den schwerkranken Harald aus der Schlacht und brachte ihn mit seinem Schiff an der Insel Hiddensee vorbei, wo anscheinend ein Teil des Kronschatzes vergraben wurde, sicher in die Jomsburg oder nach Jumne. Nach Adam von Bremen erlag dort der fast achtzigjährige erste christliche dänische König am 1. November, dem Allerheiligentag, anno 985 oder 986 seinen Wunden auf pommerschen Boden und wurde anschließend von Getreuen in die Heimat überführt und in der von Blauzahn geweihten Trinitatis - Kirche zu Roskilde beigesetzt. Während sich Sven Gabelbart mit Gewalt und christenfeindlich als neuer dänischer König durchzusetzen vermochte, bekriegten die Jomswikinger unter der Führung des Schweden Styrbjörn und des Isländers Björn Asbrandsson mit dänischer Unterstützung um 987 Schweden unter König Erik Sejrsal (975-995) und verloren!

Die Niederlage in Schweden, dessen König Erik übrigens durch Heirat mit dem polnischen Herzogshaus verwandt war, wirkte sich schleichend auf die weitere Entwicklung der Jomsburg und ihre Mannschaft aus, und der gealterte Jarl Palnatoki, der mit seinen Anhängern Sven Gabelbart als König in Roskilde gehuldigt hatte, verstarb zwischenzeitlich. Neue jüngere Kräfte drängten an die Machtspitze der Jomswikinger, so Vagn Akason, der Enkel Palnatokis, Sigvaldi Haraldsson und dessen Bruder Thorkel der Hohe, die Gebrüder Bui Digri und Sigurd Mantel von Bornholm. Sie alle sollten in Pommern, Dänemark, Norwegen oder England Geschichte machen. Sigvaldi gelang es schließlich mit polnischer Unterstützung Jarl der Jomswikinger zu werden.

Unter seiner Führung wurden die alten Gesetze der Kriegergemeinschaft verändert, so dass nun neben Kriegern aus den nordischen Völkerschaften auch Slawen Aufnahme in den Verband der Jomswikinger fanden. Die engen Beziehungen, die seit der Gründung der Jomsburg zwischen dem Jomswikingeradel und dem polnischen Herrscherhaus bestanden, wurden nach dem Tode Mieszkos I. unter seinem Sohn und Nachfolger Boleslaw I. Chrobry (992-1025), der den nordischen Namen "Burisleif" führte, und Jarl Sigvaldi fortgeführt. Das enge Zusammenwirken und die Machtkonzentration beider Fürsten forderten Sven Gabelbart heraus. Er traf Kriegsvorbereitungen gegen Polen und wurde bei Angriffen mit der dänischen Flottenmacht, die er selbst befehligte, an der polnisch-pommerschen Küste um 993 zweimal - entweder von den Jomswikingern oder Polen - gefangen genommen, und der Dänenkönig "... konnte sich gegen eine große Menge Goldes loskaufen", wie die beiden deutschen Chronisten Thietmar von Merseburg (975-1018) und Adam von Bremen (um 1040-um 1075) fast übereinstimmend mitteilten. Jarl Sigvaldi, der nach Snorris Überlieferung mit einer Schwester Boleslaws I. verheiratet war, schien bei der Freilassung Gabelbarts aus slawischer Gefangenschaft vermittelt zu haben.
Aus der Gefangenschaft nach Dänemark zurückgekehrt, schmiedete der rachesüchtige Sven Gabelbart Geheimpläne, um seine beiden Hauptfeinde, die Jomswikinger und die zwischenzeitlich von Dänemark abgefallenen Norweger unter Jarl Haakon zu vernichten. Und es gelang ihm in der Tat, die Jomswikinger unter Führung Sigvaldis und Bui Digris gegen die Norweger zu mobilisieren, deren Flotten sich nach jüngsten isländischen Forschungen im Januar 995 bei Hjörungavag an der Küste bei dem heutigen Alesund eine der gewaltigsten Schlachten lieferten, die je in nordischen Gewässern ausgetragen wurden. Die Norweger siegten und die Jomswikinger wurden fast vernichtet, die Überlebenden gerieten in Gefangenschaft und wurden zumeist hingerichtet. Gabelbarts Plan ging wie vorhergesehen in Erfüllung. Jarl Sigvaldi, Thorkel der Hohe und Sigurd Mantel hatten sich durch wohlüberlegte Flucht aus der Schlacht retten können Aber die Verfallserscheinungen in der mächtigen und gefürchteten Kriegergemeinschaft der Jomswikinger wurden immer offenkundiger.

Ihre Anführer beugten sich schließlich Sven Gabelbart und wurden treue Verfechter seiner Pläne zur allmählichen Unterwerfung Englands. In der für den norwegischen König Olav I. Tryggvason (995-1000), dem Schwager Jarl Sigvaldis, dramatisch verlaufenden Seeschlacht von Svoldr, die am 9. September 1000 in pommerschen Küstengewässern stattfand, ergriffen die Jomswikinger unter Sigvaldi keine Partei für Olav. Im geheimen Auftrag Sven Gabelbarts lotsten sie vielmehr den König mit seiner kleinen Flotte durch eine Finte in die Falle und ermöglichten dadurch den dänischen Sieg. Aber Jarl Sigvaldi überlebte diesen Verrat nicht lange. Er wurde anscheinend bei dem Massenmeuchelmord der Engländer an den Dänen im November 1002, den König Aethelred II. (978-1016), der ernsthafteste Widersacher Gabelbarts, in seinem Inselreich angeordnet hatte, umgebracht.

Sigvaldis Nachfolge in der Jomsburg trat sein Bruder Thorkel der Hohe an, der aber mehr als königlicher Heerführer Gabelbarts in England weilte als Jarl der Jomswikinger in Pommern wirkte Die Tage des Glanzes und des Ruhmes der Jomswikinger schienen ein für allemal vorbei. Den mageren historischen Nachrichten ist nunmehr zu entnehmen, dass sie sich im 11. Jahrhundert mehr und mehr verselbständigten und sich zu gefürchteten Ostseepiraten profilierten, die selbst das Mutterland Dänemark mit Raub, Mord und Brandschatzung nicht verschonten. Deshalb erschien in den Jahren 1019 und 1030 die Streitmacht Königs Knud des Mächtigen in Pommern, belagerte die Jomsburg und Wollin und zwang die Jomswikinger unter seine Botmäßigkeit. .Jahre später rebellierten sie aber gegen Magnus den Guten, König von Dänemark und Norwegen, der die Jomsburg im Sommer 1043 einnahm und in der Schlacht viele Jomswikinger und Slawen tötete.

Nach dieser Niederlage konnten sich die mittlerweile slawisierten Jomswikinger abermals erholen. Um 1050 gelang es nach Saxo zwei Piraten namens Alli und Herri die Führung in der Jomsburg zu übernehmen, die ihren Namen nach anscheinend Südländer waren und weitere kriminelle Elemente nachzogen. Die neue Generation von Jomswikinger trieb nun dermaßen ihr Unwesen in der Ostsee und an deren Küsten, so dass auch die dänischen Könige Olaf I. Hunger (1086-1095) und Erik I. Ejegod (1095-1103) ihre Flotten- und Heeresmacht in den Jahren 1090 und 1098 gegen Pommern in Marsch setzten. Der dänische Kriegszug von 1098 besiegelte endgültig das Schicksal der Jomswikinger. Die Jomsburg wurde weitgehend zerstört, die Piratenhäuptlinge getötet und der Großteil der Bewohner niedergemetzelt. Die Überlebenden scheinen von der Bevölkerung des slawischen Herzogtums Pommern aufgesogen worden zu sein. Nach etwa 150jähriger Existenz verschwanden die Jomswikinger vom Schauplatz der Geschichte und mit ihnen manches Geheimnis.

Während der eingangs erwähnten dänischen Kriegszüge gegen Pommern in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, ließ Erzbischof Absalon die Rudimente der Jomsburg, deren einstige Bewohner keine Christen waren, derart gründlich schleifen, um sie der christlichen Nachwelt für immer vergessen zu machen, so dass die Archäologie bis heute keine Spuren entdecken konnte. Das Geheimnis der Jomswikinger und ihrer Jomsburg in Pommern zu entschleiern, werden der modernen Forschung, so der Unterwasserarchäologie im Zusammenwirken mit zahlreichen Wissenschaftsdisziplinen und der Zeit vorbehalten bleiben. Den Beitrag, der zu weiteren Jomsburg -Forschungen anregen soll, möge folgendes Zitat abschließen: "Die in den letzten vier Jahrzehnten vollbrachten Forschungen und die ... unterschiedlichen Namen für Wolin ... sind Ausdruck einer slawisch-baltisch-skandinavisch-deutschen Kulturgemeinschaft, die durch das Mare Balticum gegeben ist" (W. Filipowiak 1992, S. 131). 

Lutz Mohr (Diplomhistoriker)

Literatur: Mohr, Lutz: Die Saga der Jomswikinger. Edition Pommern / Mohr, Lutz: Die Jomswikinger. Mythos oder Wahrheit. Edition Pommern


 

 


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