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934

König Heinrich I. zieht gegen die slawischen Ukranen zwischen Uecker und Oder zu Felde und unterwirft sie. Heinrichs I. Herrschaft dehnt sich nun bis zur Randow aus.

936

König Otto I. (936-973) setzt den Kampf Heinrichs I. (919-936) gegen die Slawen fort. 

Graf Hermann Billung unterwirft im Auftrag König Ottos I. die Redarier, einen Teilstamm des Lutizenbundes, der zwischen dem südlichen Vorpommern und nördlichen Ostbrandenburg ansääsig ist. Graf Gero hingegen bekämpft die slawischen Stämme im Gebiet zwischen mittlerer Elbe und mittlerer Oder und unterwirft sie. Im gleichen Jahr werden die Redarier in einer königlichen Urkunde vom 14. Oktober erstmals als "Riadri" erwähnt.

940

Jomswikinger, Lutz, Mohr, Myten, Pommern Zwischen 940 und 970 findet die Anlandung und das Festsetzen der militanten Jomswikinger, einer "Elitetruppe" des dänischen Königs Harald Blauzahn (um 940-986), im Oderrmündungsgebiet statt, das zum Einflußgebiet des polnischen Herzogs Mieszko I. (um 940-992) gehört und später "Gau Jom" genannt wird. 





946

9. Mai: In einer Urkunde Ottos des Großen erscheint die Peene als nordöstlicher Grenzfluss des neugegründeten Bistums Havelberg.

949

Die Oder wird erstmalig als "Odera” urkundlich überliefert.

950

Um 950: Der dänische König Harald Blauzahn (um 940- 985/86) landet mit skandinavischen Wikingern an der pommerschen Küste und gründet auf Wollin das seinerzeit bedeutende Handelszentrum Jomsburg/Wollin. 

Zwischen 950 - 1000: Unerklärliches Ende der slawisch-wikingischen Siedlung Menzlin an der Peene im heutigen Landkreis Ostvorpommern. Erfahren Sie hier mehr: http://www.edition-pommern.com/newswikimenzlin

Zwischen 950 und 1000: Jüngsten Forschungen zufolge, wurden sowohl der nach Sturmfluten 1872 und 1874 bei Neuendorf auf der Insel Hiddensee zutage getretene "Wikinger-Goldschmuck" als auch die zwischen 1905 und 1908 bei Forstarbeiten am Peenemünder Haken im Norden der Insel Usedom gefundenen "Goldringe von Peenemünde" von wikingerzeitlichen dänischen Goldschmieden während der Regierungszeiten der Könige Harald Blauzahn (um 940-986) oder Sven Gabelbart (986-1014) angefertigt.

955

16. Oktober: Ein machtvoller Aufstand der Obvotriten und Lutizen gegen die deutsche Feudalherrschaft unter König Otto I. führt zur Schlacht an der Raxa (Recknitz), dem alten Grenzfluß zwischen Mecklenburg und Pommern. Die Slawen werden in dieser Schlacht, die mit hoher Wahrscheinlichkeit beim heutigen nordvorpommerschen Pantlitz stattfand, von den königlichen Truppen unter der Führung des Markgrafen Gero vernichtend geschlagen. 

957

957/58: Heereszüge König Ottos I. und Markgraf Geros gegen die aufständischen nördlichen Elbslawen, die 960 niedergeworfen werden. Die deutsche Herrschaft wird somit bis zur Oder und Peene neu begründet.

965

In dem Reisebericht des arabischen Diplomaten und Kaufmanns Ibrahim ibn Jakub, der slawische Territorien östlich der Elbe bereiste, wird Wollin, das sagenhafte Vineta erwähnt.

20 Mai: Tod Geros, Markgraf der Sächsischen Ostmark.

967

Herzog Mieszko I. von Polen unterwirft die pommerschen Wilini (Wolliner), die an der Odermündung sesshaft sind. Der von Otto I. geächtete säschsiche Graf Wichmann der Jüngere, der bei den Wollinern Zuflucht fand, erleidet bei den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Polen am 22. September 967 den Tod. 

972

Die deutsch-polnischen Konflikte um das Durchsetzen der Ansprüche auf Land und Volk der Pomoranen führen zur "Schlacht bei Zehden (Cedynia)" an der rechten unteren Oder. Dabei wird das deutsche Feudalheer unter Markgraf Hodo von den Polen unter Herzog Mieszko I. besiegt.

973

27. Mai: Tod Hermann Billungs, Markgraf über die Obotriten, Wagrier und Dänen sowie zeitweiliger königlicher Stellvertreter im frühen Deutschen Reich.

Der sächsische Mönch Widukind aus dem Kloster Corvey an der Weser verfasst das Werk "Res gestae Saxoniae" (Sächsische Geschichte nebst der ... Herkunft der Schwaben). Die aufschlußreiche historische Quelle behandelt die Zeit von Kaiser Karl den Großen über Heinrich I. bis zu Kaiser Otto den Großen und bezieht sich im Kontext auch auf geschichtliche Ereignisse, die die slawischen Völkerschaften zwischen Elbe und Oder betreffen.

983

Begünstigt durch die militärische Niederlage Kaiser Ottos II. (973-983) gegen die Araber in Süditalien, vereinen sich die slawischen Stämme zwischen unterer Elbe und unterer Oder unter Führung des Lutizenbundes zu einem Aufstand bisher nicht gekannten Ausmaßes gegen die deutsche Feudalherrschaft. Der so genannte "Große Slawenaufstand" drängt sowohl die deutsche Vorherrschaft als auch die christliche Mission zurück und gewährt den slawischen Völkerschaften zwischen Elbe und Oder ihre politische Unabhängigkeit für die folgenden 150 Jahre.

985

Der Kampf um die Vorrmachtstellung in Dänemark und der Ostsee zwischen König Harald Blauzahn (um 940-986) und seinem Sohn Sven Gabelbart, dem späteren dänischen König (986-1014), verursacht die "Seeschlacht von Helgenes", wahrscheinlich bei Bornholm. Der unterlegene Harald Blauzahn kann sich schwer verwundet aus dem Kampf mit Hilfe des schwedischen Jomswikingerhäuptlings Styrbjörn an die pommersche Küste retten. 

986

Die Jomswikinger, Mythos oder Wahrheit von Lutz MohrDer greise Dänenkönig Harald Blauzahn stirbt am Allerheligentag (1. November) in ]omsburg oder Wollin.

Der schwedische Kronprinz Styrbjörn der Starke und der isländische Wikingerkrieger Björn Asbrandsson sind Gefolgsleute Jarl Palanatokis von Fünen in der Jomsburg.

Tod Jarl Palnatokis in der Jomsburg oder auf der Insel Fünen. Sigvaldi Haraldsson aus Schonen wird sein Nachfolger und damit neuer Jarl der Jomswikinger in Pommern.

8. November: Eine Urkundes des Papstes Johannes XV. (985-996) bestätigt dem Erzbistum Hamburg die Grenzen seines Metropolitanbezirkes und nennt die Peene bzw. Odermündung als östliche Grenze.

987

Die Jomswikinger unter Führung Styrbjörns erleiden im Kampf um Thronanspüche gegen den Schwedenkönig Erik Sejrsal (975-995), Styrbjörns Onkel, in der "Schlacht von Fyrisvold" bei Uppsala eine militärische Niederlage. Styrbjörn fällt im Gemetzel, sein Unterführer Björn Asbrandsson kann der Schlacht entkommen und kehrt über Pommern nach Island zurück. 

987/988: Der norwegische Thronanwärter und spätere König Olaf I. Tryggvason, der nur fünf Jahre regieren sollte (995-1000), gelangt während Wikingerfahrten in der Ostsee nach Pommern und Polen. Er ehelicht dort die slawische Prinzessin Geira, wahrscheinlich eine Tochter Herzog Mieszkos I., die aber frühzeitig verstirbt.

990

Polenherzog Mieszko I. versucht um 990 die Wenden im Peenegebiet zu unterwerfen.

991

Erstmals werden die Wilzen im Peenegebiet "Lutizen" genannt.

994

994/95: Die Jomswikinger unter Führung von Jarl Sigvaldi und Bui Digri von Bornholm verlassen mit ihrer Flotte die pommersche Ausgangsbasis Jomsburg, um mit dänischer Hilfe Norwegen unter Jarl Haakon (991-995) zu bekriegen. In der "Seeschlacht von Hjörungavag" bei der Insel Hareidlandet, nahe Alesund, werden die Jomswikinger von den Norwegern besiegt. Mehr unter: http://www.edition-pommern.com/hjoerungabucht-artikel

995

Herzog Boleslaw I. Chrobry (992-1025), der spätere polnische König, unterwirft die Pomoranen und dehnt somit die polnische Herrschaft bis an die Ostseeküste aus.

Während eines Heereszuges gegen die Obotriten und Lutizen urkundet Kaiser Otto III. (983-1002) zunächst in der Mecklenburg (10. September), im gleichen Jahr (3. Oktober) im Gau der Tollenser auf dem Gebiet des heutigen Vorpommerns. Beide kaiserlichen Dokumente waren mit ausschlaggebend, dass das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern somit im Jahre 1995 sein 1000jähriges Jubiläum begehen konnte. 

Kaiser Otto III. und der polnische Herzog Boleslaw I. Chrobry bekämpfen mit böhmischer Hilfe erfolglos den Lutizenbund, von dem 983 der "Große Slawenaufstand" ausging. Die Blütezeit des Bundes, dessen Zentrum und Heiligtum sich in Rethra, wahrscheinlich am Tollensesee, befand, währt bis 1050.

999

Der isländische Skalde Hallfred Ottarson (967-1001?), Hofdichter und -sänger beim norwegischen König Olaf I. Tryggvason (995-1000), weilt an der pommerschen Küste und bei Jarl Sigvaldi von Jomsburg. Hallfred widmet seinem Gastgeber ein Preisgedicht.


 


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