Home Burg Spantekow

Für Geschichts- und Kunstfreunde ist die etwa 15 km südwestlich von Anklam gelegene Burg Spantekow im ehemaligen mittelalterlichen »Land Groswin« etwas Besonderes - ein »historisches Juwel« und »Dornröschenschloss« in Ostvorpommern. Die Burg im Zentrum der Gemeinde Spantekow, von Wall und Graben umgeben, und das Renaissance-Schloss, gehören zu den ältesten Befestigungsanlagen Pommerns überhaupt. Die Burganlage besitzt heute eine umbaute Fläche von 190 x 250 Metern. Burg und Schloss vermitteln dem Kundigen auch heute noch einen Hauch von einstiger Pracht und Größe aus der Zeit des Übergangs vom ausgehenden Mittellalter in die frühe Neuzeit.

In jüngster Zeit inspirierten Architektur und Geschichte, die dunklen Kasematten, das finstere Burgverlies oder der interessante Remter im Schloss den Stralsunder Maler und Grafiker Eckhard Buchholz dazu, dieses Anwesen in einem Ölgemälde (84 x 102 cm) festzuhalten.
Buchholz, SpantekowBuchholz Spantekow Kasematten



Dargestellt wird eine friedvolle Episode aus der Zeit, als Mitglieder der Herzogsfamilie von Pommern- Wolgast im Winter 1567/68 bei ihrem Großhofmeister Ulrich von Schwerin im neuerbauten Schloss weilten:
Die Personen im Vordergrund bilden den Handlungsraum mit Pommernherzog Johann Friedrich (1542-1600) zu Pferde und Graf Ulrich von Schwerin (um 1500 -1570) als zentrale Figuren in der winterlichen Landschaft. Im Mittelgrund erstrahlt in alter Pracht das Spantekower Schloss, das in tiefblaue Nuancen des Winterhimmels im Hintergrund eintaucht.
Der Reiz des Bildes in seiner Malweise zwischen Naturalismus und Impressionismus und mit gewissen romantischen Zügen liegt in der künstlerischen Bewältigung des stufenweisen Übergangs verschiedener Lichtreflexionen - vom hell flutenden Licht des Schlosses über bläuliche Halbschatten im Schnee. Es erweist sich einerseits als ein beeindruckendes Kunstwerk und faszinierendes Zeitbild, das ein Detail pommerscher Geschichte aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts widerspiegelt. Andererseits ist es als Ode des Künstlers an ein geschichtsträchtiges Schloss mit wertvoller Architektur in urwüchsiger pommerscher Landschaft zu werten, dessen Schicksal einer breiten Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden soll.

Wechselvolle Geschichte

Burg und Schloss Spantekow erlebten sowohl friedliche Zeiten als auch kriegerische Ereignisse:

Burg SpantekowDie Burg (seit dem 13. Jahrhundert) und das Schloss (errichtet in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts) waren bis 1945 im Besitz der Grafen von Schwerin. Von 1945 bis 1949 gehörte beides der Gemeinde Spantekow. 1999 kaufte der jetzige Besitzer, Kaspar Freiherr von Harnier das vorpommersche Kleinod zurück.                   
Die Urenkel des Ahnherrn Bernhard I. von Schwerin erwarben im 13. Jahrhundert in Vorpommern Land und begründeten damit die »pommersche Linie« der Schweriner Grafen mit ihren Zweiglinien Usedom (Gerhard 1., 1251-1282), Altwigshagen (Oldag 1., 1256-1291) und Spantekow (Werner 1., 1258-1264). Die alte Burg Spantekow, das slawische »castrum Spantekow«, gehörte seit 1258 zum Besitz des Ritters Werner I. von Schwerin. Dieser und seine Söhne wurden danach urkundlich 1315 bzw. 1321 als Erben des »castrum Spantekow« durch die Pommernherzöge Otto I. und Barnim III. bestätigt.

Im 13. und 14. Jahrhundert stiegen die Grafen von Schwerin im damaligen »Land Groswin« im Umfeld von Anklam zu einem reich begüterten und einflussreichen Adelsgeschlecht auf. Sie befehdeten sich im 14. und 15. Jahrhundert mit den Bürgern der benachbarten Hansestadt Anklam. Durch zahlreiche kriegerische Einwirkungen verfiel die alte Burg bis zum im 16. Jahrhundert. Der damalige Burgherr, Graf Ulrich von Schwerin (um 1500-1570), der zugleich Großhofmeister am herzoglichen Hof zu Wolgast war, und seine Gemahlin, Gräfin Anna geb. von Arnim, veranlassten nach alten Plänen sowohl die Erweiterung der Burg als Niederungsfestung als auch den Neubau des Renaissance-Schlosses. Unter Leitung des Wallbaumeisters Jost Spangenberg entstand eine neue Anlage auf einem künstlich angelegten Hügel inmitten sumpfigen Geländes nach neunjähriger Bauzeit von 1558 bis 1567. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) widerstand die Spantekower Burg im Jahre 1627 den Ansturm der kaiserlichen Truppen unter Albrecht von Wallenstein. Im Jahre 1634 gingen Burg und Schloss in schwedischen Besitz über; Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg eroberte die Festung Spantekow im Jahre 1677 und ließ sie teilweise zerstören. Das dabei stark in Mitleidenschaft gezogene Renaissance Schloss war noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhundert, also 200 Jahre lang, unbewohnt. Nach 1895 erlebten Burg- und Schlossanlage einen neuen, jedoch kurzen Aufschwung als der neue Besitzer Hans Bone von Schwerin (1868-1945) das »verwunschene Schloss« in den Jahren 1899 bis 1901 und 1908 modernisieren ließ. Burgtor Spantekow

Am 6. Juli 1928 wurde unweit der Burg, im Park, den man nach der Wallensteinschen Belagerung auch »Kaiserkoppel« nannte, ein Gedenkstein mit den Jahreszahlen (1178-1928) anlässlich der 750-jährigen Entstehung des Grafengeschlechts derer von Schwerin eingeweiht.

Aber persönliche Rückschläge und finanzielle Not des Hans Bone von Schwerin in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und sein Tod kurz dem Ende des Zweiten Weltkriegs, verursachten erneut einen desolaten Zustand des Spantekower Schlosses, der - abgesehen von wenigen Denkmalschutzmaßnahmen zu DDR-Zeiten und auch nach der Wende - bis heute nicht mehr behoben werden konnte.          

Lutz Mohr (Diplomhistoriker)

 


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