Home Schill von der modernen bildenden Kunst wieder entdeckt

Über Major Ferdinand von Schill (1776-1809), den adligen Rebellen und Patrioten gegen die französische Fremdherrschaft in Deutschland,  sowie sein dramatisches Ende in Stralsund ist viel publiziert und spekuliert worden. Die Hansestadt Stralsund bewahrt sein Andenken als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der jüngeren Stadtgeschichte. So fand am 21./22. September 2009 in der Stadt am Sund anlässlich seines 200. Todestages ein Nacherleben der Persönlichkeit Schills und seiner Zeit statt. Dieser historische Nachvollzug inspirierte den pommerschen Künstler Eckhard Buchholz (geb. 1941), der seit Kriegsende in Stralsund beheimatet ist, sich Schill bildkünstlerisch zu widmen. Als Militär, Patriot und Reformer fand Schill in der bildenden Kunst der jüngeren Zeit im Gegensatz zur Geschichte und Literatur kaum Beachtung, und so wurde dieser Tage das neue Historienbild „ Major Ferdinand von Schill 1809 in Stralsund“ ( Öl, 110 x 85 cm) von dem anerkannten pommerschen Kunstschaffenden vollendet. Ausgehend vom den gesicherten historischen Erkenntnissen, die mit dem Verfasser und Herrn Michael Handwerg, Verlag Edition Pommern, diskutiert wurden, wählte der Künstler die Episode der letzten Stunden Schills. Was berichteten Zeitzeugen?

Es ist der 31. Mai 1809, ein sonniger Tag. Schill war bereits mit einer kleinen Vorhut seit dem 25. April in der Stadt, wobei es den Schillschen gelungen war, den französischen Kommandanten und Teile seine Regiments gefangen zu nehmen, die restlichen Franzosen liefern sich jedoch weiterhin Scharmützel mit Schills Freischärlern. Schill kann Stralsund jedoch nur ungenügend sichern. Der Belagerungsring der napoleonischen Truppen und ihrer Verbündeten zieht sich um die Stadt immer enger. Um 08.00 Uhr beginnt der Angriff. Etwa 5000 Franzosen im Bunde mit Dänen und Holländern rücken vor. Schill verfügt hingegen nur an die 1500 Soldaten, darunter 500 Husaren, 300 Rügensche Landwehrmämer, 600 Mecklenburger und Westfalen sowie 60 Schweden. Zwei Angriffe der Übermacht können durch Schills Freiwillige abgewehrt werden, aber ein plötzlicher Sturmangriff der Franzosen auf die Vorwerke ermöglicht das Eindringen der feindlichen Truppen auf das kaum gesicherte Kniepertor. Die Schillschen sind nicht mehr Herr der Lage und ziehen sich in die Stadt zurück, wo heftige Straßenkämpfe toben. Schills Anhänger verteidigen sich mit allen Kräften. Ihr Befehlshaber, bereits verwundet und übernächtig, befindet  sich zu diesem Zeitpunkt auf Erkundungsritt zwischen Kniepertor, Alten Markt und Fährstraße. Dann geschieht das Unfassbare. Nichts ahnend, trifft Schill beim Ritt durch die Külpstraße, am Johanneskloster vorbei, in Richtung Fährstraße auf streifende holländische Jäger. Sie kennen den Befehl Kaiser Napoleons und seines Bruders Jerome, König von Westfalen, die auf das Ergreifen des Rebellenführers ein Kopfgeld in Höhe von 10.000 Francs ausgesetzt haben. Sie kreisen Schill ein. Er erkennt zu spät, dass er in einen Hinterhalt geraten ist, aus dem es kein Entkommen gibt. Das ist der Moment, den sich Buchholz als Aussage für sein jüngstes Historienbild wählte: Schill als zentrale Figur des Geschehens verteidigt sich mit dem Säbel auf seinem aufbäumenden Pferd heldenhaft, um sich der übermächtigen Feinde zu erwehren. Sie gehen auf Distanz  In aller Eile laden die Holländer auf dem holprigen Straßenpflaster ihre Büchsen nach. Der dramatische Effekt wird durch über der Stadt liegende Rauchschwaden, die den sonnigen Maitag verdunkeln, im Hintergrund gesteigert. Ein Schütze rechts im Vordergrund legt an und versucht Major Schill zur Strecke zu bringen, das Schießpulver riecht man förmlich. Buchholz wählte bewusst nicht Schills feige Erschießung durch Napoleons Verbündete in Stralsund als Motiv, die in der Fährstraße stattfand,  sondern den Menschen, Soldaten und Patrioten Schill,  der mit Mut und Tapferkeit sich und seine Ideale bis zuletzt im Angesichts des Todes verteidigte. Buchholz` jüngstes Historiengemälde besticht durch eine enorme Suggestion hinsichtlich Anatomie, Dynamik und Dramatik des historischen Geschehens in Stralsund im frühen 19. Jahrhundert.

Dipl.-Hist. Lutz Mohr, Greifswald                       

 


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