Home 810 Jahre Kloster Eldena

Unser Autor, Herr Diplomistoriker Lutz Mohr hat uns auf ein wichtiges historisches Datums hingewiesen.
2009: 810 Jahre Kloster Eldena (1199-1209)

1199: Zisterziensermönche aus dem kriegszerstörten Kloster Dargun gründen das Kloster Hilda (Eldena) an der Dänischen Wiek nahe der späteren Hansestadt Greifswald. Es entwickelt sich im Mittelalter zu einem der bedeutendsten Klöster Vorpommerns. Kunstgeschichtlich weltbekannt wurde das im Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstörte Kloster, als Ruine durch Caspar David Friedrich.

Dazu eine kleine Episode aus seiner Feder:

Eldenaer Äbte - makellose Klosterbrüder?
Wer heute die hier abgebildete Ruine bewundert, kann nur ahnen, wie bedeutungsvoll das hemalige Kloster Hilda im Mittelalter für das Gebiet um den Greifswalder Bodden gewesen ist. 1199 war es von dänischen Zisterziensern gegründet worden. Doch schon dreihundert Jahre später verfiel die einst so bedeutsame Wohn-, Gebets- und Arbeitsstätte der Mönche. Auch Sitten verfielen. Das Klosterleben hatte, wie Diederot meinte, Fanatiker und Heuchler gemacht. So war es gelegentlich auch in Eldena um die Ehrlichkeit der Äbte und die Ordensdisziplin der Mönche mehr schlecht als recht bestellt.

Über zwei Beispiele soll hier berichtet werden:

Wegen Misswirtschaft, Bestechung und persönlicher Bereicherung setzte man 1456 Abt Sabellus Crugher ab. Kaum ein halbes Jahr lang hatte er dem Kloster vorgestanden!

EldenaDoch die Spitze des Eisberges war erst gut 30 Jahre später erreicht: Von 1486 bis 1490 stand Abt Gregorius Groper dem Kloster vor. In den Akten wird er als »eine liebenswürdige, umgängliche Persönlichkeit« beschrieben, die »bei Hofe und in akademischen Kreisen wohlgelitten« war. Doch unter seiner Ägide zählten göttliche Gebote und klösterliche Zucht und Ordnung nur wenig. Er hatte sich, wie Akten berichten, »nämlich in gröbster und Anstoß erregender Weise einem unsittlichen Lebenswandel hingegeben. Buhlerinnen, Kuppler und fahrendes Volk bildeten seinen gern gesuchten Umgang«. Dabei standen ihm Helfer und Freunde zur Seite: Der klösterliche Notar Peter Homeken aus Kammin und sein Diener, der Mönch Erasmus Meves.
Doch nicht genug damit. Für das ausschweifende Leben, das reichlich Geld verschlang, Relikt der Kirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Hilda in Greifswald-Eldena verschacherte er kostbare Messkelche und Patenen (Messkelche zur Darreichung der Hostie), goldene Ringe und »Petzkreuze«, schließlich gar seinen Hirtenstab. Die wertvollen Pretoisen wanderten gegen bares Geld in die Werkstätten von Goldschmieden. Am Ende war es insgesamt ein Betrag von 6000 Dukaten, die der gewissenlose Gregorius in vier Jahren verprasst hatte. Merkwürdigerweise fand er bei seinem unredlichen Tun allerlei Rückenstärkung auch bei den Vorstehern der Mönchsklöster in Lehnin und Chorin.

Aus all diesen Gründen setzten die Eldenaer Konventsmitglieder Gregorius im September 1490 ab und warfen ihn ins Gefängnis. Einen Monat später, zum 13. Oktober, beriefen sie in den großen Saal des Klosters Hilda einen Konvent ein.

Da die Missstände aus Eldena bis nach Dänemark hin bekanntgeworden waren, erschien auch der unmittelbare Vorgesetzte von Gregorius. Es war der dänische Abt Petrus von Esrom. Er hatte nun über seinen Amtsbruder Gregorius zu urteilen und zu richten. Das war keine leichte Aufgabe. Nachdem man Gregorius aus dem Gefängnis geholt und in den Konventssaal gebracht hatte, kamen all die Verfehlungen, Anschuldigungen, Vergehen und Fehltritte zur Sprache. Die Rede war nun auch davon, daß sich Gregorius schon 1486 von bestochenen Konventsmitgliedern zum Gegenabt hatte aufstellen lassen. Dadurch verdrängte er Lambert von Werle, den bereits gewählten Abt, unrechtmäßig. Im Ergebnis der Verhandlungen wurde Gregorius seines Amtes enthoben und Lambert von Werle nun rechtmäßig wieder in sein Amt als Abt eingeführt.

Unter den Äbten Lambert von Werle (1486 bis 1499), Mathias (1499 bis 1510) und Enwaldus Schinkel (1510 bis 1535) erlebte das Kloster Hilda noch einmal einen gewissen Aufstieg. Doch nach der Reformation und der Überführung kirchlichen Besitzes in weltliche Hand verkam das Kloster zusehends. Gebäude, die danach noch intakt waren, fielen dem Dreißigjährigen Kriege zum Opfer. Heute künden davon nur noch ein paar Ruinen.

 


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