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Die Jomswikinger
Die Jomswikinger – Mythos oder Wahrheit
Lutz Mohr
Edition Pommern
ISBN 978-3-939680-03-1
84 Seiten
€ 9,95 [D]
Originalausgabe Mai 2009 

Beschreibung

Nach der nordischen Quellenlage haben die Jomswikinger etwa für 150 Jahre (950-1100 n.Chr.) die Geschicke der Nord- und Ostseeanrainer, beeinflusst. Die Hauptquelle dafür bildet die anonyme Jomsvikingasaga, die in mehreren Versionen überliefert wurde und die um 1200 in Island entstand. Auf Grundlage der "Sammlung Thule" nahm der Herausgeber eine Neubearbeitung der Jomsvikingasaga mit entsprechendem Kommentar vor, die als Publikation „Die Saga der Jomswikinger“ im Verlag Edition Pommern im Jahr 2006 erschien. Die Jomsvikingasaga ist in literaturhistorischer Hinsicht nicht die einzige Quelle zur Problematik der Jomswikinger, aber die bekannteste. Schon damals trug sich der Verfasser mit dem Gedanken, die Spuren der Jomswikinger in den altnordischen Quellen weiterzuverfolgen, die in deutscher Übersetzung fragmentarisch in einzelnen Bänden der Edition THULE enthalten sind. So finden sich längere und kürzere Passagen zum Gegenstand der Jomswikinger, ihrer Jomsburg und des Gaues Jom in der Knytlingasaga, der Eyrbyggjasaga und der Heimskringla, insbesondere in der Olafssaga Tryggvasonar, aber auch in der Kristni Saga, der Färinger Saga und der Hallfreds Saga. Diese Texte, die im Deutschen vor über achtzig Jahren erschienen, wurden für die neue Publikation bearbeitet. Das Anliegen des Verfassers bestand darin, ein möglichst vollständiges Bild dieser urwüchsigen Texte über die Jomswikinger vorzulegen, da es eine derartige zusammenhängende Veröffentlichung im deutschen Sprachraum bisher nicht gibt. Das vorliegende Buch bildet inhaltlich die logische Fortsetzung der Publikationen des Autors über die Jomswikinger von 2006.


Leseprobe

I. DIE JOMSWIKINGER IN DER KNYTLINGASAGA,
der Geschichte von den Nachkommen König Knuds des Großen (1016-1035), aufgezeichnet zwischen 1240 und 1270
HIER BEGINNT DIE GESCHICHTE VON DEN KNYTLINGERN
Harald Gormsson (Harald Blauzahn, um 940-985/86) wurde nach dem Tode seines Vaters (Gorm der Alte) in Dänemark zum König ausgerufen. Er war ein mächtiger König und ein großer Kriegsmann. Er erwarb das Holstenland (Holstein) im Sachsenland (Nordwestdeutschland); auch hatte er ein großes Jarlsreich im Wendenlande (Pommern). Er ließ dort die Jomsburg anlegen und versah sie mit großer Besatzung. Er gab ihnen Sold und Gesetze, und sie unterwarfen ihm das Land (den Gau Jom). Im Sommer waren sie auf Heerfahrt, aber im Winter saßen sie daheim. Sie wurden Jomswikinger genannt. König Harald Gormsson ließ König Harald Gunnhildsson (Harald Graumantel, um 960-970), den König von Norwegen, durch Verrat ums Leben bringen, so dass dieser bei Hals im Limfjord fiel, wie in der Geschichte der norwegischen Könige (von Snorri Sturluson, um 1230) erzählt wird. Bald aber fuhr König Harald (Blauzahn) mit seinem Heer nach Norwegen, unterwarf sich das ganze Land und setzte dort den Jarl Håkon Sigurdsson (später Håkon der Mächtige von Lade, 971-995) als obersten Häuptling ein, aber der dänische König nahm Schatzung (Abgaben/Steuern) von dem gesamten Land. In den Tagen König Harald Gormssons war Otto der Rote (Otto der Große, 936-973) Kaiser im Sachsenlande. Er hatte Unfrieden mit dem Dänenkönig und gebot den Dänen das Christentum anzunehmen. König Harald führte eine große Schlacht (974) gegen Kaiser Otto im Süden am Danewerk (alter dänischer Grenzwall zwischen Schlei und Treene bei Schleswig). Zugegen war auch Jarl Håkon von Norwegen als Verbündeter des Dänenkönigs. Der Kaiser erlitt dort eine Niederlage, aber dennoch eroberte er das Land bald darauf und trieb König Harald und Jarl Håkon in die Flucht bis zum Limfjord nach Morsö (Insel Mors am Limfjord). Danach nahm König Harald das Christentum an, und der Kaiser wurde Gevatter (Pate) seines Sohnes Sven (der spätere König Sven Gabelbart, 986-1014) und gab ihm seinen Namen, so dass er auf den Namen Sven – Otto getauft wurde. Ganz Dänemark wurde nun christlich, und der Kaiser Otto zog zurück nach Sachsenland.
Anmerkung: Die Gesetze der Jomswikinger, die im modernen Sinne gewissermaßen als militärische Vorschriften gewertet werden können, sind in THULE XIX (Jena 1922), S. 405f enthalten sowie in der Publikation des Herausgebers: „Die Saga der Jomswikinger (Grimmen 2006), S. 24f.

DER FALL STYRBJÖRNS DES STARKEN
In den Tagen König Harald Gormssons war Styrbjörn der Starke auf Heerfahrten im Osten. Styrbjörn war der Sohn des Schwedenkönigs Olaf Björnsson. Styrbjörn kam mit seinem Heer nach Dänemark und nahm König Harald gefangen. Da gab ihm Harald seine Tochter Thyri zur Frau und fuhr selbst mit Styrbjörn nach Schweden. Styrbjörn verbrannte alle seine Schiffe, ehe er an Land ging. Als König Harald gewahr wurde, dass Styrbjörn ohne Schiffe war, steuerte er mit seinen Schiffen in den Mälaren (Mälarsee) und danach weiter nach Dänemark zurück. Styrbjörn kämpfte bei Fyrisvellir (Ebene Fyrisvald am Fyrisfluß bei Uppsala) mit dem Schwedenkönig Erik den Siegreichen (975-995), seinem Vaterbruder (Onkel). Dort fiel Styrbjörn und der größte Teil seines Heeres (der Jomswikinger), ein Teil aber konnte fliehen. Diese Flucht der Jomswikinger nennen die Schweden die Fyrisjagd.

KÖNIG HARALDS TOD
Sven, der Sohn des Königs Harald Gormsson, forderte von seinem Vater, König Harald, einen Teil des Reiches, aber König Harald liebte ihn nicht, denn er war der Sohn einer Beischläferin, und er wollte ihm kein Reich zur Herrschaft überlassen. Aber als Sven zum Manne herangewachsen war, verschaffte er sich Schiffe und Mannschaft und heerte weit umher, sowohl im Ausland als auch im Inland. Da wurde König Harald zornig und sammelte Mannschaft gegen Sven. Sven aber bekam Hilfe von seinem Ziehvater Palnatoki (von Fünen), wie in der Geschichte von den Jomswikingern erzählt wird (THULE XIX), und sie steuerten nun nach Seeland und in den Isefjord hinein, wo sie König Harald und seine Schiffe vorfanden. Sven nahm sofort den Kampf gegen den König auf, und es gab eine gewaltige Schlacht. Da stieß weiteres Volk zu König Harald, so dass Sven überwältigt wurde. Er konnte fliehen. In diesem Kampf erhielt König Harald die Todeswunde – er wurde durch einen Pfeil tödlich  

 


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