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Peter Ziemann: Ranen, Rügen und Meer: Die Geschichte eines versunkenen, slawischen Volksstammes


Ranen, Rügen und Meer
 
Die Geschichte eines versunkenen, slawischen Volksstammes
 
Peter Ziemann

Edition Pommern
ISBN 978-3-939680-25-3
162 Seiten mit Abbildungen
€ 15,90 (D)
Broschur
Größe 21 cm x 15 cm





 

Beschreibung

 

Der ehemalige Rüganer Peter Ziemann hat über viele Jahre zahlreiche Informationen zu den slawischen Ranen zusammengetragen. Akribisch hat er diese Quellen und Forschungen ausgewertet. Dieser, kaum bekannte slawische Volksstamm, der hauptsächlich auf Rügen und dem angrenzenden Festland aktiv war, hat nicht nur Spuren in Form von Burgwällen hinterlassen. Sie tauchen auch aus dem Dunkel der Geschichte hervor; im Kampf an der Seite von König Otto I. gegen andere slawische Stämme, in der Schlacht an der Raxa 955. Der Autor geht aber auch auf ihre handwerklichen Fähigkeiten, ihrem, den Wikingern ähnlichen, Schiffbau und deren Glauben ein. Er beschäftigt sich mit dem gesamten Dasein der Ranen, sofern dies die Quellenlage und neueste Forschungen zugelassen haben. Ein wichtiger Aspekt sind auch die wiederkehrenden kriegerischen Auseinandersetzungen, hauptsächlich mit ihren dänischen Nachbarn. Peter Ziemann schafft es mit diesem Buch ein Stück Geschichte lebendig zu halten.

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Aus dem Buch:

Einführung 

 
 
Dieses Buch soll über einen slawischen Stamm berichten, der von den mittelalterlichen Chronisten wenig beachtet wurde, der selbst sehr spät und auch sehr wenig schriftliche Zeugnisse hinterließ, trotzdem aber im Ostseeraum Geschichte schrieb. Rana Rice (Ranen bzw. Rugianer Reich), den Namen entnahm J. G. Grümbke älteren dänischen Quellen, wahrscheinlich in Anlehnung an das dänische Ranirici, über das in der Heimskringla wiederholt berichtet wird. Man kann davon ausgehen, dass das Volk der Ranen über keine Schrift verfügte, dadurch kann seine Geschichte nur anhand der Aufzeichnungen nordischer und deutscher Chronisten nachvollzogen werden, die die, hauptsächlich missionarischen, Aktivitäten für die Nachwelt festhielten, und auch aus archäologischen Funden. Wir müssen die sich wiedersprechenden Überlieferungen zusammensetzen, die zur Zeit der dänischen Unterwerfung Rügens erstmals niedergeschrieben wurden. Außerdem können wir uns auf Fragmente von Kleidung und Töpferwaren verlassen, auf die Reste ihrer Tempel und Burgen, auf Gegenstände, die in den Grabstätten erhalten blieben, und auf Studien dessen, was wir von den wenigen schriftlichen Zeugnissen (Urkunden, Chroniken usw.) wissen. Aus all diesem Material müssen wir eine Geschichte rekonstruieren, die im besten Fall eine fragmentarische Geschichte ist. Alle Angaben, die vor 1168 handeln, sind „wahrscheinlich“; da die Quellenlage sehr dürftig ist und die wenigen Quellen nicht immer übereinstimmen. Die nordischen Sagas z. B. enthalten einige Angaben über Rügen und ihre Bewohner; aber es sind Sagas. Es ist freilich nicht zu verkennen, dass auf solche Weise Saga und Geschichte sehr nahe aneinander gebracht, in manchen Fällen gar miteinander verschmolzen sind. Aber darum bleibt noch immer ein großer Unterschied zwischen beiden. Seit dem 6. Jahrhundert siedelten an der Ostseeküste zwischen Elbe und Oder, nachdem die germanischen Bewohner fast vollständig abgewandert waren, Menschen, die sich mit einer slawischen (polabischen) Sprache verständigten und später von ihren deutschen Nachbarn als 5 Wenden (bzw. Veneter) bezeichnet wurden. Slawe bedeutet „Der Sprechende.“ Diese Bevölkerung, die oft fälschlich mit dem Namen „Wenden“ bezeichnet wird, bildet einen Teil der großen Völkergruppe der Slawen, die das ganze östliche Europa bis zum Uralgebirge bewohnen. Die Slawen sind, wie die Germanen, ein Zweig der arischen oder indogermanischen Völkerfamilie, die in grauer Vorzeit Ost- und Mitteleuropa besiedelt haben. Sie kamen aus unterschiedlichen Richtungen (Raum zwischen Warte, mittlerer Weichsel und Dnepr im Osten, dem Nordkarpatengebiet und den Pripjatsümpfen), sowie mit unterschiedlichen ökonomischen und kulturellen Traditionen ins Land. Die Einwanderungsgruppen drangen teils in unbesiedeltes Land vor, das von dichten Laub- und Nadelwäldern bedeckt, von Flüssen, Sümpfen und Seen durchzogen war. Gebietsweise bestanden noch Siedlungsgefilde, in denen Bauern lebten, die germanische Dialekte sprachen und auf die >Rugier Stämme< zurückgingen. D. Krywalski formulierte 1984 in seinem Buch „Die Welt des Mittelalters“: „Der Name Slawe weist auf eine alte Flussbezeichnung und dürfte dann auf ein ganzes Volk übertragen worden sein. In der frühen Neuzeit trat dann eine etymologische Bindung zu Sklave ein, das heißt, unter Slawe wurde in dieser Zeit ein Angehöriger der östlichen Stämme betrachtet, der unfrei war. Diese Etymologie verrät deutlich, welchen gesellschaftlichen Stellenwert die westlichen Nachbarn den Slawen zu gestanden haben.“