Home 11. Jahrhundert

1000

Um 1000 dringt Herzog Boleslaw I. bis Kolberg vor und gründet dort ein dem Erzbistum Gnesen unterstelltes Bistum. Reinbern aus dem thüringischen Hassegau wird dessen erster und einziger Bischof.

9. September: Rivalitätskämpfe zwischen König Sven Gabelbart von Dänemark und Olaf I. Tryggvason von Norwegen um die Vormachtstellung in der südlichen Ostsee und des pommerschen Seehandelsplatzes Jumne-Vineta finden in der "Seeschlacht von Svoldr" ihren Abschluß. Die Norweger werden von der zahlenmäßig stärkeren dänisch-schwedischen Flotte besiegt. OLaf I. kommt dabei ums Leben. Nach dieser Seeschlacht, die wahrscherinlich bei der Insel Vilm im nördlichen Greifswalder Bodden stattfand, verliert Norwegen seinen Einfluß in der südlichen Ostsee und in Pommern. Ausführlich unter: http://www.edition-pommern.com/svoldrartikel

1002

1002-1024: Der Lutizenbund ist Bündnispartner Kaiser Heinrichs II. (1002-1024) im Kampf gegen die Polen unter Herzog Boleslaw I. Chrobry., die in deutsches Reichsgebiet vorgedrungen waren.

1003

Kaiser Heinrich II. und Markgraf Konrad II. von Landsberg verbünden sich mit den Lutizen gegen den Polenherzog Boleslaw I. 

Pommern wird von Polen unabhängig.

1005

Deutsch-lutizischer Feldzug gegen Polen führt über die Oder.

1007

Zu Ostern empfängt Heinrich II. zu Regensburg Abgesandte der verbündeten Lutizen und der Böhmen. Es werden weitere kriegerische Maßnahmen gegen Polen erörtert.

1012

Zwischen 1012 und 1018: Bischof Thietmar von Merseburg (um 975-1018) verfasst eine Chronik seines Bistums Merseburg und damit die Geschichte des frühen Deutschen Reiches von König Heinrich I. bis zum Antritt der Herrschaft Kaiser Heinrichs II. Diese wertvolle Quelle beinhaltet u. a. viele Details zur Geschichte unserer slawischen Vorfahren zwischen Elbe und Oder. 

November: Entstandene Zwistigkeiten zwischen Heinrich II. und den Lutizen, werden in Bamberg durch Verhandlungen beigelgt.

1015

Sommer: Erneuter Kriegszug Heinrichs II. und der verbündeten Lutizen unter Hermann Billung gegen Polen, der bei Crossen und Lebus die Oder überquert. Die Deutschen müssen sich unter starken Verlusten zurückziehen.

1017

Letzter Feldzug Heinrichs II. und der Lutizen gegen Polen verläuft erfolglos. Der Frieden von Bautzen (1018) beendet vorläufig die Kriegshandlungen gegen Polen.

Ein Priester namens Günter soll in Vorpommern christliche Missionstätigkeit betrieben haben.

1019

Knud II., König von England und Dänemark (1016-1035) kreuzt mit einer mächtigen Flotte in der südlichen Ostsee und unterwirft zunächst die Oboitriten und Wagrier, wenig später die Lutizen und Pomoranen sowie die Jomswikinger, die mittlerweile als Ostseepiraten auch Dänemark bedrohen.

König Knud begründet die dänische Herrschaft in Pommern. Erster dänischer Regent über Pommern und damit de facto auch Jarl der Jomswikinger im Gau Jom wird Prinz Sven Knudson, auch Alvivason, der Sohn Knuds des Großen. 

Das Deutsche Reich engagiert sich im Interesse seiner unterworfenen und tributpflichtigen slawischen Gebiete später unter Kaiser Konrad II. mit der neuen nordischen Macht durch Abschluß eines Friedens- und Freundschaftsbündnisses.

1021

Auf dem Hoftag zu Werben/Altmark versichern die Fürsten der slawischen Völkerschaften Norddeutschlands, darunter die lutizischen Kessiner, Kaiser Heinrich II. "...dem Reich in Frieden und Unterordnung gehorsam zu sein ... und Tribute zu leisten".

1025

Nach dem Tod des Herzogs Boleslaw I.Chrobry, seit Anfang d. J. König von Polen, beginnen unter seinem Sohn und Nachfolger, König Mieszko II. (1025-1034), neue kriegerische Vorstöße gegen das frühe Deutsche Reich unter Kaiser Konrad II. (1024-1039) und den Lutizenbund.

1028

Als Mieszko II. in deutsches Reichsgebiet einfällt und dabei schwere Verwüstungen in den Gebieten der Lutizen und Heveller anrichtet, erscheinen deren Abgesandte bei Konrad II. in seiner Pfalz Pöhlde am Harz mit der Bitte um Hilfe gegen die Polen und der Zusage, dafür "treue Dienste" zu leisten. 

Prinz Sven Knudson wird von König Knud aus Pommern abberufen, um die Regentschaft in Norwegen anzutreten.

1029

1029-1032: Den in diesen Jahren durch das Deutsche Reich im Bunde mit den Lutizen und der Unterstützung König Knuds II. von England und Dänemark sowie des Großfürsten Jaroslaw I. von der Kiewer Rus (1019-1054) gegen Polen unter Mieszko II. geführten Kriegen, unterrliegen schließlich die Polen, und ihr König Mieszko II. muß im Frieden von Merseburg (1033) die deutsche Oberhoheit anerkennen.

1030

Erneuter Heereszug König Knuds des Großen an die pommersche Küste, um den Widerstand der Jomswikinger zu brechen, die sich mehr und mehr vom Mutterland Dänemark abwenden und verselbständigen. Ob er 1019 und 1030 auch den autonomen pommerschen Stadtstaat Wollin an der Dievenow, das legendäre Vineta, heimsuchte, bleibt ungewiß.

1033

Die nach den siegreichen Kriegen gegen Polen entstandene neue politische Lage löst Feindseligkeiten zwischen dem Deutschen Reich und dem Lutizenbund aus, so dass aus den ehemaligen Bündnispartnern erbitterte Gegner werden.

1035

Auf die Einnahme der sächsischen Burg Werben an der Elbe durch die Lutizen, reagiert Kaiser Konrad II. mit einem mächtigen Kriegszug sächsischer und böhmischer Kontingente. Er endet mit dem Sieg über die Lutizen, die erneut die Oberhoheit des Deutschen Reiches anerkennen müssen. Sie bewahren sich jedoch weitgehend ihre Unabhängigkeit und ihren heidnischen Kult.

1043

Sommer: Magnus I., König von Norwegen und Dänemark (1035-1042), befehligt einen Flottenvorstoß an die südliche Ostseeküste, insbesondere ins pommersche Odermündungsgebiet, als Vergeltungsaktion für Einfälle westslawischer Seekrieger in Dänemark. Dabei werden die Jomsburg eingenommen und zahlreiche Jomswikinger getötet sowie danach anscheinend die Handelsmetropole Jumne-Wollin heimgesucht und gebrandschatzt

28. September: Die auf der Halbinsel Jütland eingefalleneen Obotriten, anscheinend verstärkt durch Pomoranen und Ranen, die Dänemark bedrohen, werden in der "Schlacht auf der Lürscher Heide", westlich Schleswig, durch Magnus I. besiegt und niedergemetzelt.

1044

Der christliche Slawenherrscher Gottschalk (1043-1066) errichtet mit dänischer Hilfe ein obotritisches Großreich in Mecklenburg, in das auch die von ihm unterworfenen Lutizen Vorpommerns eingebunden werden.

1046

24. Juni und 29. Juni: Zu den Hoftagen in Merseburg bzw. Meißen erscheinen vor Kaiser Heinrich III. (1039-1056) die slawischen Fürsten, Herzog Bratislaw von Böhmen, Herzog Kasimir von Polen und Herzog Zemuzil von Pommern - dux Zemuzil Bomeraniorum als gleichberechtigte Versallen. Sie entrichten ihren Tribut. Zugleich fällt eine kaiserliche Entscheidung hinsichtlich Friedensregelungen, da es zwischen dem polnischen und pommerschen Herzog zu Kämpfen um die Oberherrschaft in Masowien gekommen war. Mit Zemuzil ist der erste Pommernherzog historisch fassbar, aber nicht die Grenzen seines Herrschaftsgebietes.

1047

24. April: Papst Clemes II. (1046-1047) bestätigt dem Erzbistum Hamburg erneut die Grenzen seines Metropolitanbezirkes und führt die Peene bzw. die Odermündung als dessen östliche Grenze auf.

1050

Um 1050: Zwei nordländische Piraten namens Alli und Herri bemächtigen sich der Jomsburg. Als Anführer der Jomswikinger betreiben sie ausgedehnten Seeraub in der Ostsee.

1053

6. Januar: Papst Leo IX. (1049-1054) bestätigt erneut die Grenzen des Hamburger Erzbistums und nennt die Peene als dessen östliche Grenze.

1055

29. Oktober: Papst Victor II. (1055-1057) verzeichnet ebenfalls die Peene als östliche Grenze des Hamburger Erzbistums.

1056

1056/57: Während des so genannten "Lutizischen Bruderkrieges", durch Streit zwischen Kessinern und Redariern um das Hauptheriligtum Rethra hervor gerufen, unterwirft der Obotritenfürst Gottschalk mit Hilfe des dänischen Königs Sven Estridsen (1047-1074) und Herzog Bernhards von Sachsen die lutizischen Teilstämme der Kessiner und Zirzipanen. Weitere innere Kämpfe führen allmählich zum Zerfall des mächtigen Lutizenbundes.

1066

Weltliche und geistliche Machtkämpfe im Obotritenreich, gepaart mit zunehender feudaler Ausbeutung und Zwangschristianisierung der Untertanen durch Gottschalk, entfachen einen neuen Slawenaufstand und den Sturz des Herrschers, der am 7. Juni d. J. in Lenzen ermordet wird. Es hat den Anschein, dass die Impulse dazu vom Lutizenbund und seiner einflußreichen heidnischen Priesterschaft in Rethra ausgingen. 

Westslawische Krieger, darunter Ranen und Pomoranen, überfallen und brandschatzen die alte Wikingermetropole Haithabu an der Schlei, so dass das wichtige Handelszentrum seine Bedeutung verliert.

1067

1067/68, Winter: Um den heidnischen Slawenkult zwischen Elbe und Oder auszurotten, fällt Bischof Burchard von Halberstadt in das Gebiet der lutizischen Redarier ein, bestürmt die Tempelanlage von Rethra und zerstört sie. Er entführt das heilige Roß, das dem Gott Svarozic geweiht ist, und reitet auf ihm zurück nach Halberstadt. 

1068

Nach der Zerstörung des slawischen Hauptheiligtums Rethra wird der Swantevit-Tempel auf Arkona zum religiösen Mittelpunkt der heidnischen Slawen.

1069

Winter: Ein Kriegszug Kaiser Heinrichs IV. (1050-1106) gegen die sich ihm widersetzenden Lutizen verläuft erfolglos.

1073

Als sich eine sächsische Fürstenopposition gegen Heinrich IV. empört, nimmt er Verhandlungen mit den Lutizen, "den schlimmsten Feinden der Sachsen" auf, um Verbündete gegen seine Gegner im eigenen Land zu gewinnen.

1074

1074/75: Der Domherr Adam von Bremen (um 1040-um 1085) verfasst sein monumentales Werk "Gesta Hamburgensis ecclesiae pontificum" (Hamburgische Kirchengeschichte - Geschichte der Erzbischöfe von Hamburg). Die Hamburger Kirchengeschichte ist von großer Bedeutung, da sie nicht nur eine Bistumsgeschichte darstellt, sondern eine ausführliche Schilderung der Länder und Völker des Nordens, darunter der Wikinger und Slawen. Adam war ein Freund des Dänenkönigs Sven Estridsen.

1090

Um 1090: Um die Seeräuberei in der Ostsee durch die Jomswikinger zu unterbinden, sucht ein Vergeltungszug der Dänen zur Zeit des Königs Olaf Hunger (1086-1095) die Jomsburg in der Odermündung heim. Die Piratenhäuplinge Alli und Herri werden überwunden und getötet.

1091

Erstmals wird Stettin, die spätere Hauptstadt Pommerns, als "Castrum Stettin", eine Herzogsburg mit einem Wohnplatz und Handelsort an der unteren Oder überliefert.

1093

Nach dem Sieg des Obotritenherrschers Heinrich auf dem Schmilauer Feld (bei Ratzeburg) über aufständische Obotriten, kann er den slawischen Stämmen der Lutizen, Kessiner, Zirzipanen, Heveller, Ranen und Pomoranen Tribut auferlegen.

1095

1095-1098: Der dänische König Erik I. Ejegod (1095-1103), der sich gegen slawische Seevorstöße wendet, besiegt im Bunde mit seinem Gefolgsmann Skjalm Hvide von der Insel Seeland die Ranen auf Rügen und zwingt sie zur Tributzahlung. Sein Kriegszug zur See gilt danach der Odermündung. Eriks Seekrieger zerstören dabei endgültig die Jomsburg und suchen auch Wollin heim, da dort dänische Schwerverbrecher Unterschlupf gefunden haben.

1098

Den Einwohnern von Wollin wird eine Kriegssteuer vom dänischen König Erik I. Ejegod auferlegt.

 


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