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Eine Reise nach Rügen
Eine Fahrt nach Rügen
Historischer Reisebericht
Friedrich Lampert
Mit s/w Bilder des Stralsunder Künstlers Eckhard Buchholz
Edition Pommern
ISBN 978-3-939680-01-7
52 Seiten
Größe 12 cm x 19 cm
€ 8,95 [D]
Mai 2009
 

Beschreibung

In der Mitte des 19. Jahrhunderts besuchte Friedrich Lampert Hiddensee, Rügen und Usedom. Dieses Buch gibt seine Erlebnisse in den sehr unterschiedlichen Gegenden wieder. Er schildert uns die elenden Hütten auf Hiddensee, die sich zum Teil noch unter der Erde befinden, malt uns aber auch von der Schönheit der Insel Rügen ein farbenprächtiges Bild. Putbus mit seinen Glanzbauten geht genauso in seinen Schilderungen ein, wie das aufstrebende Heringsdorf auf der Insel Usedom.

Auszug: Bei Altenfähre also, dem von den ältesten Zeiten her schon gewöhnlichen Überfahrtsorte, einem freundlichem Dorfe, begann meine Rügenfahrt. Noch einmal kehrte sich der Blick nach der schönen, weit gedehnten Aussicht des Festlandes zurück, in der sich dort Stralsund, der Dänholm, die pommersche Küste und der Drigge bieten, und dann wandten sich die Füße und Augen vorwärts dem neuen Lande zu. Auf etwas anfängliche Enttäuschung muss man es bei diesem Wege nicht ankommen lassen, sagte ich vorhin, - und ich gestehe es ein, ich war im Anfang etwas enttäuscht. Der damals nur eine sehr kleine Strecke weit straßenähnliche Weg ging uneben, lehmig und sandig in das Land hinein; wohl gab‘s Feld und Wald, auch manchmal ein Dorf und einen Kirchturm und mehr als einen einzelnen Hof dazwischen, allein das sah sich anderswo auch so, und vielleicht noch schöner an. Der Boden stieg wohl allmählich auf, allein nirgends war ein eigentlicher Berg, ja nicht einmal ein vernünftiger Hügel zu sehen und selbst nach dem Wahrzeichen Rügens, nach einem Hügelgrabe, schaute ich mich in jener ersten Stunde vergeblich um. Ich vermisste eben das, was ich mir unter Rügenscher Romantik, Landschaftspoesie oder wie man es nennen will, vorgeträumt hatte. Doch, Geduld, lange konnte es nicht ausbleiben, - und da war es auch schon: ich trat aus einem verdeckten Wäldchen heraus - die Marienkirche von Bergen glänzte und leuchtete, wenn man noch ziemlich fern von ihrer Anhöhe mir entgegen.

 

Leseprobe

Jahre sind schon entschwunden seit den sonnigen Tagen meiner Rügenfahrt; andere Wander- und Lebensbilder haben sich mir seitdem entrollt; auf den Märkten der Welt, in den stillverborgenen Reichen der Natur; andere Meere haben mich umrauscht - und dennoch stehen die Strandbilder von der Ostsee noch immer frisch und ungetrübt in meiner Erinnerung, dennoch weilt meine ganze Liebe noch bei jener fröhlichen jugendlichen Fahrt; ja es dünkt mich, als habe mich keine der folgenden mehr so ganz und gar, so unmittelbar gefesselt, als hafte auch gar kein Schatten auf diesen damals nach Hause getragenen Bildern. Warum das nun so ist, weiß ich selbst nicht zu sagen. War das Gefühl des neugeschenkten Lebens und der wieder gewonnenen Kraft, was mich, eben von schwerem Krankenlager erstanden, so fröhlich wandern ließ? War es ein goldener Ahnungsschein künftigen Glückes, der in einem lieben Hause das Herz traumhaft umfing und nun jetzt am Tage der Erfüllung jene Tage der Ahnung doppelt bedeutend erscheinen lässt? Oder war es die ganze zauberhafte Gewalt der wunderbaren Insel selbst, die es mir so mächtig angetan hat und noch jetzt so unwiderstehlich nachwirkt? Ich entscheide es nicht, ich lasse meine Erinnerungen sprechen! Und die zaubern mir dich wieder vor, du herrliches Eiland, so lieblich in deiner Größe, so groß in deiner Einfalt! Ich sehe sie wieder, deine schlichten Dörfer mit den schlichten Menschen, und sitze wieder in der Fischerhütte mit dem alten Fischer und seinen Kindern beim köstlichen Mahl! Die Glocken von deinen Kirchlein läuten dem Wanderer wieder ihren Abendgruß zu, - das leichte Boot gleitet wieder mit mir durch die stillen, blauen Buchten hin, - ich schaue wieder von deinen Höhen hinaus in die wogende Flut so weit, so weit, - und draußen schwimmen die Segel, wie Silberschwäne, und die weißen Felsen glänzen im Sonnenschein und umkränzen sich mit dem grünen frischen Laub; die Wipfel der Buchen rauschen um deine tiefen dunklen Seen; und wie heiliger Orgelklang braust mir das ewige Meer wieder das Lied der Lieder - ja, ich bin bei dir, ich grüß dich wieder, wie an jenem durstigen, sonnigen Sommermorgen! - Heil dir, O Rugia!

Ja, an einem durstigen sonnigen Sommermorgen war‘s, wo ich sie zum erstenmal gegrüßt, die deutsche Insel. Von Stralsund, das noch heute majestätisch und trotzig in die Fluten schaut, wie zu jenen Tagen, wo Wallenstein von den Himmelsketten es loszureichen sich vermessen, schwamm mein Boot durch die Meerenge hinüber zur Altenfähre. Von den Wällen der Festung her zitterten die vollen Klänge einer rauschenden Regimentsmusik über das Wasser hin und „unter mir tanzte das leichte Boot und innen tanzte mein Herz“. Eine Fahrt durch Rügen ist noch eine, an der sich Leib und Seele erfreuen kann. Noch schaut man hier einem ächten und rechten unverdorbenen Volksgemüt in die Augen, kann sich erfreuen an schlichtem, kernigem Wesen. Natur und Leben hat diese Leute hart gemacht wie Stahl, allein unter der rauen Schale hat sich ein kindlicher Kern erhalten.

 


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