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„Saßnitz wird daher niemals ein bedeutendes Seebad...“

„Saßnitz wird daher niemals ein bedeutendes Seebad...“
Die Geschichte der Seebäder Crampas und Sassnitz
Frank Biederstaedt
Edition Pommern
ISBN 978-3-939680-05-5
76 Seiten mit zahlr. Abb.
€ 11,95 [D]
Größe 17cm x 22 cm
Originalausgabe September 2009
Beschreibung
In dem vorliegenden Buch hat es der Autor geschafft, einen umfassenden Überblick über die Entwicklung des Seebades Sassnitz bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts zu geben. Er nimmt uns mit auf eine Zeitreise von der ersten urkundlichen Erwähnung der Orte Crampas und Sassnitz, über die Blütezeit des Tourismus, dem Aufbau einer Infrastruktur bis zur Vereinigung beider Flecken zum Ort Sassnitz im Jahre 1906. Eng verbunden mit der Entwicklung ist die Geschichte des Tourismus von den Anfängen bis in die heutige Zeit des Seebades. Frank Biederstaedt zeigt nicht nur durch seine Beschreibung die Wichtigkeit des Tourismus für Sassnitz, sondern dokumentiert dies auch durch eine Vielzahl historischer Abbildungen. Zudem gibt uns der Autor einen Überblick über die geschichtlichen Entwicklungen der Insel Rügen und sein Zusammenspiel mit den beiden Ortschaften Crampas und Sassnitz. In diesem Buch werden neben den geschichtlichen Erläuterungen und Darstellungen von Zusammenhängen zwischen den Entwicklungen der Ortschaften Crampas und Sassnitz, eine Vielzahl von historischen Abbildungen wiedergegeben.
Vorwort
Das vorliegende Buch befasst sich mit der Entstehung und Entwicklung der Ortschaften Sassnitz und Crampas bis zu deren Zusammenschluss zur Gemeinde Sassnitz und deren weitere Geschichte bis ins 20. Jahrhundert.
Seit dem Ende des Fürstentums Rügen im Jahr 1325 gehörte die ganze Insel zum Herzogtum Pommern-Wolgast. Von 1648 bis 1815 gehörte Rügen, mit einer kurzen Unterbrechung am Anfang des 18. Jahrhunderts als die Insel unter dänischer Herrschaft stand, zur schwedischen Krone, bis die Insel Rügen und somit auch die Ortschaften Sassnitz und Crampas unter preußische Herrschaft gestellt wurden. Durch die Zugehörigkeit zur Provinz Pommern befanden sich die meisten Quellen zum Thema ursprünglich im Staatsarchiv Stettin. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden die aufgefundenen Archivalien aus dem Staatsarchiv Stettin von Archivaren und Privatpersonen geborgen und gesammelt. Im Landesarchiv Greifswald konnten so die Stettiner Bestände sicher archiviert werden. Ferner übernahm das Landesarchiv Schriftgut von aufgelösten staatlichen und kommunalen Behörden. So gelangten im Jahr 1971, auch aus dem Stadtarchiv Sassnitz, Akten der Gemeindeverwaltung bis 1952 ins Landesarchiv.
Zur mittelalterlichen Geschichte können die Akten der Herrschaft Putbus herangezogen werden, in denen Crampas einige Mal erwähnt wird. Auch die Akten der schwedischen Landesaufnahme für die Ortschaften Crampas und Sassnitz aus dem Jahr 1695, finden sich unter der Signatur Rep. 6a Bd. 18 fol. 241 – 249.
Das Stadtarchiv Stralsund ist für das vorliegende Thema insofern interessant, da hier die in Stralsund gedruckten Ausgaben des Badecouriers für Sassnitz und Crampas von 1876 bis 1890 archiviert werden und ferner das Rügensche Kreis- und Anzeigeblatt ab 1862 fast komplett vorliegt.
Eine geringe Anzahl an Akten für Sassnitz befindet sich im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Als Archiv für die Registraturen der preußischen Zentralbehörden, die den pommerschen Provinzialbehörden übergeordnet waren, ist es auch für Pommern von großer Bedeutung.
Das Stadtarchiv Sassnitz enthält einige, für die Geschichte der Ortschaften Crampas und Sassnitz wichtige Quellen und Ansichten. Besonders die Ansichtensammlung und das Zeichnungsarchiv (Flurkarten, Gebäudezeichnungen, Lage- und Bebauungspläne) sind für eine Forschung über beide Ortschaften unumgänglich. Leider gibt es aber viel unerschlossenes Archivgut.
Die Literatur zur Geschichte von Sassnitz und Crampas beschränkt sich auf wenige Publikationen. Nach der deutschen Einigung erschien eine Vielzahl an Literatur mit historischen Ansichten, die aber keine wissenschaftliche Bedeutung aufwies. So gilt bis heute das Werk von dem Sassnitzer Max Koch „Zur Geschichte von Sassnitz“ (1934) trotz seines Alters als Referenz für eine Sassnitz - Forschung. Der gebürtige Sassnitzer vermied es dabei, seinen Heimatort durch Übertreibungen hervorzuheben, sondern legte auch Missstände und dergleichen dar. Durch seine Forschung im ehemaligen Staatsarchiv Stettin konnte er Quellen benennen, die nach dem 2. Weltkrieg als verloren galten. Auch hatte Koch die Möglichkeit, Personen für seine Forschung heranzuziehen, die Sassnitzer Geschichte erlebt und zuweilen auch mitgestaltet haben.
Eine überaus bedeutende Publikation brachte Dr. Egon Weber Mitte der 1960er Jahre hervor. In seinen Aufsätzen, welche in den Greifswald – Stralsunder Jahrbüchern 1964 und 1965 zu finden sind, beschäftigte er sich mit der Entwicklung von Sassnitz, ab den 1860er Jahren bis hin zum 1. Weltkrieg. Dabei stand bei ihm die Forschung über Tourismus, Bautätigkeit, Grundstücksverkäufe, Verschuldungen und die Voraussetzungen zum Aufstieg der Ortschaft Sassnitz im Vordergrund.
Dieses Buch zeigt die Entwicklung der Ortschaften Sassnitz und Crampas. Wo die Quellenlage eine konkrete Forschung nicht zulässt, soll auf die Gesamtsituation auf der Insel Rügen zu der entsprechenden Zeit hingewiesen werden, um so auch ein ungefähres Bild der Verhältnisse in beiden Ortschaften zu erhalten. Es soll vor allen Dingen geklärt werden, wodurch der Aufstieg zu bedeutenden Ostseebädern verursacht worden ist bzw. welche Gründe vorlagen, um einen Aufstieg zu ermöglichen. Zudem stellt sich die Frage, in wie fern sich das Aussehen beider Ortschaften veränderte und welche Konsequenzen daraus für die Einheimischen entstanden. Auch auf die Veränderungen im Tourismus, bedingt durch eine ständige Verbesserung der Verkehrswege, soll eingegangen werden. Hier ist es notwendig, die daraus resultierende Entwicklung für den Badeverkehr und für die Pensions- und Hotelbesitzer darzulegen.
Ferner wird die gesellschaftliche Stellung der Einheimischen, welche beim Aufstieg zu bedeutenden Ostseebädern lediglich aus einer Bevölkerung von Bauern und Fischern bestanden, beschrieben und eventuelle Veränderungen in der gesellschaftlichen Stellung näher gebracht.

Leseprobe
Die Stadt Sassnitz heute
Die Hafenstadt Sassnitz befindet sich im Nordosten der Insel Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Die Insel Rügen wurde am 27. Mai 1842 zu einem Landkreis zusammengefasst, welcher bis heute in dieser Form besteht. Im Süden und Osten grenzt Sassnitz direkt an die Ostsee, im Norden an den Nationalpark Jasmund. Mit ihren 10231 Einwohnern ist Sassnitz die zweitgrößte Stadt der Insel nach Bergen auf Rügen und gefolgt von Putbus und Garz. Zugleich ist sie die zweitjüngste Stadt, da ihr noch vor Putbus 1957 das Stadtrecht zugesprochen wurde.
Sassnitz ist im Landkreis Rügen eine amtsfreie Stadt und setzt sich aus mehreren Ortsteilen zusammen, die hauptsächlich aus Gemeinden der näheren Umgebung von Sassnitz bestehen wie z.B. Buddenhagen, Dargast, Mukran, Stubbenkammer usw.
Die industriellen Schwerpunkte liegen nach wie vor in der Fischverarbeitung und der Kreideindustrie. Seit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 wird wieder verstärkt der Tourismus als wichtige Einnahmequelle gefördert. Die nach dem 2. Weltkrieg zweckentfremdeten Pensionen konnten zum großen Teil erhalten und seitens der Stadt und der Sassnitzer Bürger restauriert oder wiederaufgebaut werden. Aufgrund großer Anstrengungen und Investitionen der öffentlichen und privaten Hände, errang die Stadt im Jahr 1998 wieder die staatliche Anerkennung als Erholungsort und knüpfte damit an die Tradition des Fremdenverkehrs an. Durch städtebauliche Sanierungsgebiete versucht die Stadt, städtebauliche Mängel mit Maßnahmen der Stadterneuerung zu beheben. Der Weg zum Kurort soll weiter beschritten werden, bedingt durch das örtliche Heilmittel Kreide und die im Stadtteil Dwasieden erbohrte Thermalsole, sodass ein „Thermal-Kreideheilbad Sassnitz“ angestrebt wird.
Einen gewerblichen Schwerpunkt stellt der Stadthafen dar, dessen Wandel zum maritimtouristischen Hafen weiter vorangetrieben wird. Trotz einiger Fischkutter erfüllt der Hafen immer häufiger das Bild eines Yachthafens, bedingt durch ständig wiederkehrende Maritimtouristen. Ferner werden vom Stadthafen Rundfahrten zu den Kreidefelsen und den gegenüberliegenden Ostseebädern angeboten.
Auch bietet der Stadthafen verschiedenen Museen Platz, so dem Fischerei- und Hafenmuseum sowie dem britischem U-Boot H.M.S Otus.
Der Fährbetrieb wurde im Jahr 1998 in den Fährhafen Sassnitz-Mukran verlegt, was seitens der Bewohner Sassnitz nicht immer begrüßt wurde, da der Durchreiseverkehr zusätzliche Einnahmen versprach. Hervorzuheben sind die heutigen Linien Sassnitz-Klaipeda (Memel), Sassnitz-Trelleborg, Sassnitz-Bornholm, Sassnitz-St.Petersburg sowie Sassnitz-Baltijsk.
Da der Hafen einen unmittelbaren Zugang zur See hat, ermöglicht dies der Schifffahrt eine unkomplizierte Ansteuerung. So sind zeitraubende Revierfahrten nicht notwendig und es besteht keine Lotsenpflicht. Wassertiefen von 10,50 m machen den Hafen für alle im Ostseeraum agierenden Schiffsklassen zugänglich. Als einziger Hafenstandort Westeuropas verfügt der Fährhafen Sassnitz über Gleis- und Umschlaganlagen für Eisenbahnwaggons der russischen Breitspur. Dies brachte dem Hafen auch den Namen „westlichster Cargo-Bahnhof der Transsibirischen Eisenbahn“ ein.
Seit den Anfängen waren der Fischfang und die Fischverarbeitung die Haupteinnahmequelle der Sassnitzer Einwohner, bis sich durch den Tourismus im ausgehenden 19. Jahrhundert eine neue Einnahmequelle erschloss. Trotzdem verlor die Fischindustrie nie ihre Bedeutung für Sassnitz. Seit dem Jahr 1951 befindet sich im Stadthafen eine Fischfabrik. Ab 1955 galt sie als die größte Räucherei Deutschlands. Nach einer kompletten Modernisierung von 1969 bis 1971 wurde der Fisch in Dosen verarbeitet. Nach 1990 kam es wie überall in den neuen Bundesländern auch in Sassnitz zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten. So wurde der Fischfang in der Ostsee nicht mehr rentabel und immer mehr Fischtrawler und Fischkutter verschwanden aus dem Sassnitzer Hafenbild. Einzig die Fischverarbeitung konnte sich behaupten. Nach umfassenden Investitionen zwischen den Jahren 2000 bis 2003 ist in Sassnitz die modernste Fischverarbeitungsfabrik Deutschlands entstanden. Unter dem Namen „Rügen Fisch AG“ verkauft sie ihre Ware weltweit. Doch auch hier setzt man zudem auf Touristen, indem man direkt in der Fabrik eine Verkaufsstelle sowie ein Bistro eingerichtet hat.
Der namensgebende Ortsteil Sassnitz ist die heutige Sassnitzer Altstadt. Das ehemalige Dorf Crampas lag in dem Bereich der heutigen Einkaufsstraße „Rügen-Galerie“. Leider erinnert heute nichts mehr an das ehemalige Dorf. Während das alte Sassnitz Sanierungsgebiet wurde, erging es vielen ehemaligen Crampasser Hotels und Villen schlechter. Noch in den 1990er Jahren wurden die früher renommierten Hotels „Walfisch“ und „Victoria“ abgerissen, um für Wohnblöcke Platz zu machen. Nur wenige der ursprünglichen Crampasser Häuser sind bis heute erhalten.
Umso erfreulicher ist es, dass die Villen des alten Sassnitz die Jahrzehnte überdauert haben und heute fast sämtlich restauriert sind.
Die Voraussetzungen der Entstehung beider Ortschaften unterschieden sich wesentlich voneinander. So war Crampas von Anfang an ein Bauerndorf oberhalb des Hochufers. Sassnitz hingegen war eine sogenannte Lieten-Siedlung und wurde ausschließlich von Fischern bewohnt. Nach dem Aufstieg zu Touristenstandorten wuchsen beide Ortschaften merklich zusammen und verloren dabei immer mehr ihre ursprüngliche Funktion. Ein Beispiel für eine Lieten-Siedlung stellt noch heute das Fischerdorf Vitt auf der Halbinsel Wittow dar. Durch den Verzicht auf Neubauten oder touristischen Einrichtungen, blieb es bis heute in seiner ursprünglichen Form erhalten und stellt so einen Vergleich zu der Ortschaft Sassnitz in ihren Anfängen dar.
Die Anfänge der überlieferten Geschichte
Um die Anfänge der Geschichte beider Ortschaften zu benennen, muss man die Frühgeschichte und die Siedlungsgeschichte Gesamt-Rügens analysieren.
Da Sassnitz und Crampas slawische Namensformen aufweisen, liegt ihr Ursprung höchstwahrscheinlich in slawischer Zeit, welche auf Rügen vom 9. Jahrhundert bis 1168 dauerte. Immer wieder raubten die Slawen an den Ostseeküsten und überfielen dabei zahlreiche Dörfer. Durch das gemeinsame Vorgehen von Waldemar I. von Dänemark und die von Heinrich dem Löwen aufgebotenen Pommern und Obotriten, fielen im Jahr 1168 die letzten Heiligtümer der Slawen auf Rügen: die Tempelburg Arkona im Norden der Halbinsel Wittow und die Tempelburg Charenza (nach neuesten Erkenntnissen wahrscheinlich der Burgwall bei der Ortschaft Venz). Rügen wurde danach unter Führung der einheimischen Fürsten dem Deutschtum erschlossen und christianisiert.
Mit Jaromar I. fing im Jahr 1170 das Fürstentum Rügen an zu existieren.
Wie bereits erwähnt, gehen die Ortsnamen Crampas und Sassnitz auf slawische Ursprünge zurück. In diesem Zusammenhang erfolgten auch die Vermutungen über die Bedeutungen der Ortsnamen.
Crampas, welches in Urkunden als Krampatz, Krampisse, Kramps, Krambs oder ähnlich vorkommt, soll auf das slawische Wort „krampu – klein, dick“ zurückgeführt werden. Diese Bedeutung wird jedoch von Wissenschaftlern stark angezweifelt.
Sassnitz, in Urkunden als Sassenitz, Sassinitz oder Sassins geschrieben, wird zurückgeführt auf das slawische Wort „sosna – Kiefer“. Wissenschaftler bezweifeln jedoch das Vorhandensein früherer Kiefernbestände und führen den Ortsnamen Sassnitz auf das Wort „sasin – (Nieder-) Sachse, Deutscher“ zurück und deuten den Ort mit der slawischen Abkürzungssilbe –nitz als „Sachsenort“. Eine weitere Ableitung wäre das Wort „sascena – hinter (der) Wand“ was entweder auf die versteckte Lage in der Liete zurückgeht oder ein Zusammenhang mit der nahen Kreideküste bedeutet.
Mit dem Aussterben des Rügenschen Fürstenhauses durch den Tod Wizlaw III. im Jahr 1325, geriet laut dem Erbvertrag von 1321 das Fürstentum Rügen an den Herzog von Pommern-Wolgast Wartislaw IV.
Erst jetzt werden Sassnitz und Crampas urkundlich erwähnt. Die erste Erwähnung des namensgebenden Ortsteils Sassnitz stammt aus dem Jahr 1584. Der Pfarrherr Johann Rhenan besuchte im Auftrage des Herzogs Ernst Ludwig von Pommern die Insel Rügen, um Mineralquellen und Metalladern aufzufinden. Er berichtet: „Als wir an das Meer kamen, haben wir die Saßnitzer Bäche auch angesehen, und weil der Bach hoch vom Gebirge – da es denn daselbst sehr hoch ist – herabfällt, halte ich es dafür, daß daselbst vielleicht Erz angetroffen werden möchte. Weil man aber nicht einmal Fingersbreit durch das Gebirge sehen kann, mag es Mein gnädiger Fürst und Herr mit der Rute erforschen.“
Diese Quelle enthält allerdings nur die erste Erwähnung des Namens Sassnitz. Es wird nichts von einer Siedlung berichtet. Es liegt die Vermutung nahe, dass Sassnitz zu dieser Zeit nur ein Flurname war. Zu beweisen ist es auf Grund des spärlichen Quellenmaterials nicht.
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