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Die Belagerung der Festung Stralsund 1807
Die Belagerung der Festung Stralsund 1807 und deren Folgen für Vorpommern
Edition Pommern
ISBN 978-3-939680-09-3
60 Seiten mit Abb.
€ 7,95 (D)
Größe 15 cm x 21 cm
Dezember 2009
Edition Pommern
ISBN 978-3-939680-09-3
60 Seiten mit Abb.
€ 7,95 (D)
Größe 15 cm x 21 cm
Dezember 2009
Vorwort
In dem vorliegenden IV Band der Reihe Pommern. Geschichte Mythen Ereignisse widmet sich der Verlag den Ereignissen vom Herbst 1806 bis zum Herbst 1807 in Schwedisch-Vorpommern. Hier wird der Leser hautnah in die Geschehnisse der Zeit mitgenommen und erlebt die Konflikte der Politik Frankreichs und seinen Verbündeten gegen die Schweden und Preußen mit ihren Verbündeten. Der Augenzeuge, der diesen Tagebuchauszug hinterlassen hat, schildert eindrücklich die Verhältnisse jener Zeit und die militärischen Folgen der jeweiligen Politik. Er zeichnet nicht nur ein Bild über die Gefechte, sondern auch die Auswirkungen auf die Bewohner des Landes.
In unserem Verlagsarchiv befinden sich zwei Bücher mit den Titeln: „Tagebuch der Blokade der Festung Stralsund und deren Folgen, geführt von einem unterrichteten Augenzeugen bis zum 19. April 1807“ sowie „Tagebuch der zweyten Blokade Stralsunds, geführt von dem Verfasser des der ersten bis zum 27. September 1807“. Diese beiden Abhandlungen wurden in der Zeitschrift „Neue Feuerbrände: Marginalien zu der Schrift: Vertraute Briefe über die innern Verhältnisse am Preußischen Hofe seit dem Tode Friedrichs II“ Band 5 Heft 13 -15 1808; veröffentlicht.
Um des besseren Verständnisses willen haben wir leichte Veränderungen am urspünglichen Text vorgenommen. Dieses dient dazu, dem Leser einen eindrucksvollen und spannenden Bericht über das Kriegsgeschehen aus der Sicht eines Zeitzeugen, zu vermitteln.
In unserem Verlagsarchiv befinden sich zwei Bücher mit den Titeln: „Tagebuch der Blokade der Festung Stralsund und deren Folgen, geführt von einem unterrichteten Augenzeugen bis zum 19. April 1807“ sowie „Tagebuch der zweyten Blokade Stralsunds, geführt von dem Verfasser des der ersten bis zum 27. September 1807“. Diese beiden Abhandlungen wurden in der Zeitschrift „Neue Feuerbrände: Marginalien zu der Schrift: Vertraute Briefe über die innern Verhältnisse am Preußischen Hofe seit dem Tode Friedrichs II“ Band 5 Heft 13 -15 1808; veröffentlicht.
Um des besseren Verständnisses willen haben wir leichte Veränderungen am urspünglichen Text vorgenommen. Dieses dient dazu, dem Leser einen eindrucksvollen und spannenden Bericht über das Kriegsgeschehen aus der Sicht eines Zeitzeugen, zu vermitteln.

Leseprobe
Der König [Gustav IV. Adolf] begab sich den 12. September 1806, unerwartet, von Greifswald, wo er seit der Rückkehr aus dem Lauenburgischen beständig sein Hauptquartier gehabt hatte, ohne Stralsund zu berühren, nach Hohendorf . Gegen Abend ging er an Bord des bei Barhöft ihn schon erwartenden Postschiffes. Wegen Sturmes musste er gegen Morgen umkehren, und kann nicht eher als den 14. September, bald nach 6 Uhr früh, in See stechen, worauf er am 15. September morgens, kurz vor 7 Uhr, jedoch nicht bei Ystad, sondern bei Trelleborg landete und unverzüglich zur Königin nach Beckaskoy abging.
Den Oberbefehl der Armee übertrug er dem Generalgouverneur, Freiherr von Essen. Die Streitkräfte, welcher der König dem Freiherrn von Essen hinterließ, betrugen, die schwache damals wenig geübte, ruhig noch in ihren Heimatorten befindliche Pommersche Landwehr, etwa 8000 Mann von verschiedenen Waffen. Dazu kamen nach und nach noch fünf Infanteriebataillone, nebst einiger Fußartillerie und Kavallerie aus Schweden, so dass das Ganze, mit Einschluss der Landwehrmannschaft, zuletzt die Zahl von 15.000 Mann erreichte.
Die Verhandlungsvorschriften und der Wirkungsplan, die der König seinem Stellvertreter erteilte, waren anfangs zwar ein tiefes Geheimnis zwischen diesem und jenem. Gleichwohl gar lange verblieb das Geheimnis nicht bei den beiden. Dass mit der genannten Stärke nicht zugleich im Felde zu handeln, und Stralsund gehörig besetzt zu erhalten stände, begriffen wir alle sehr bald. Lediglich konnte es also nur auf Verteidigung der Festung gegen irgendeinen feindlichen Angriff abgesehen sein; und dahin deutete wirklich auch die gesamten Schritte des kommandierenden Generals, wie unvermerkt sie schon geschah.
Mittlerweile waren die Preußen bei Auerstädt und Jena geschlagen. Immer aber zeigte sich kein Hannibal vor unseren Toren. Es schien sogar, man scheue uns. Indessen ward am 29. Oktober die Festung vorläufig in den Belagerungsstand erklärt, und die höchsten Militärbehörden fingen an, augenscheinlicher, sorgsamer, eilender, wie bisher, von allen Seiten zu Werke zu gehen. Doch beschränkten sie ihre Vorschritte einstweilen hauptsächlich auf stärkeren Ausbau der Palisaden, Anlegung noch mehrerer Außenschanzen, hinlängliches Decken der Grenzen, Aufgebot der Landwehre, Verproviantierung der Stadt, sowohl als der Königlichen Magazine, auf wenigstens vier Monate, und Abführung aller Pommerschen Schiffe bis auf die kleinsten Boote nach Rügen, damit solche dem kommenden Feinde nicht in die Hände fallen, und von ihm für gute Prisen erklärt, oder sonst nachteilig gebraucht werden möchten. Als endlich aber das Korps des Prinzen von Hohenlohe bei Prenzlau, so wie das des Generals Blücher in Lübeck, kapitulierte und letzteren Ortes auch das Schwedische Leibgrenadierregiment in französische Kriegsgefangenschaft geriet; da ging ihre Regsamkeit immer weiter, und keine Vorsichtigkeitsmaßregel, die in Belagerungsfallen üblich zu sein pflegt, bleibt außer Acht. Selbst die allmähliche Demolierung der uns so nützlichen Vorstädte trat ziemlich früh ein. Ja, ein Teil unserer Kriegsbaumeister riet sogar zu vierzehn Fuß hohen Vormauern aller durch die Stadtmauer auf den Wallgang führenden Pforten und Fenster, um uns vor jeder Art von Überraschung dadurch so viel mehr zu sichern; gerade, als ob die künftigen Eroberer, nachdem sie die gesamten Werke überstiegen haben würden, zu allerletzt noch bedürfen könnten , sich durch dergleichen Öffnungen den Eingang in die Stadt zu bahnen.
Den ersten Besuch machten uns die französischen Truppen am Anfange des Novembermonats bei der Gelegenheit, als sie das letzte Häuflein Preußen in unserer Gegend, das unweit von Anklam kapituliert, die eingegangenen Bedingungen aber gebrochen hatte, und jetzt über Loitz, Gützkow, Grimmen, Wolgast sich nach der Insel Usedom zu retten suchte, verfolgten. Ausgehungert und halb nackt, wie sie anlangten, nahmen die Bewohner jener Städte diese Flüchtlinge gastfreundlicher auf, als die Klugheit riet, und mussten solches den nacheilenden Franzosen mit einer Kontribution von beinahe 5000 Reichsthalern entgelten. Auch hörte man von Plünderungen und anderen Exzessen hin und wieder auf dem platten Lande. Sicher aber rührten diese von preußischen Marodeuren her, die in und um Anklam und Ückermünde, mit Offizieren an der Spitze, ihr Unwesen trieben. Seitdem vernahm man von Franzosen weiter nichts bestimmtes, als dass sie sich im preußisch Pommern immer stärker anhäuften.
Am 28. Januar 1807, mit Tagesanbruch, gingen sie unter dem Reichsmarschall Mertier, man sagte 12000 Mann stark, bei Anklam und Meyenkrebs endlich über die ausgetretene, seit etlichen Tagen gefrorene Peene, besetzten Greifswald und drangen bis Miltzow vor, wo der Marschall abends sein Hauptquartier nahm. Unsere Vorposten zogen sich unter beständigen Scharmuziren, insbesondere bei Kiesow, und bei Elmenhorst, gegen 9 Uhr in die Festung zurück, und brachten einige verwundete Gefangene mit. Von unserer Seite blieb der Husarenleutnant Eklund in französischen Händen.
Am 29. Januar bewerkstelligte der Generalleutnant Baron Armfelt, mit reitender Artellerie, Husaren, Dragonern und Jägern bei Andershof eine Aufklärung, welche ein ziemlich lebhaftes Engagement zur Folge hatte, das bis gegen Abend dauerte, und uns einen Toten von der Artellerie nebst etlichen Verwundeten kostete. In der Franken Vorstadt ward mit Niederreißen der noch übrigen Gebäude fortgefahren. An diesem Tage hörte der Postgang aus und nach Pommern auf, indem die Festung sich bereits von allen drei Landseiten eingeschlossen fand.
Am 30. Januar still.
Am 31. Januar nachmittags, traf der holländische Kapitän Baths als Parlamentär vom General Grandjean ein. Sein Anbringen war von keiner Bedeutung. Der Leutnant Clairfelt machte das Gegenkompliment.
Am 1. Februar, früh, eiseten sich einige Kanonenschaluppen aus dem Hafen los, und versuchten, vormittags von 9 bis 11 Uhr, in Gegenwart seiner Exzellenz, des Generalgouverneurs und des Freiherrn Armfelt, unter dem Oberstleutnant Hammerfelt die Wirkung ihres Feuers gegen Andershof zu ermitteln. Die aus Jägern, Husaren und Fußartillerie bestehende Franken Schanzenbesatzung plänkelten mit Tirailleuren der Gegenseite.
Am 2. Februar nachmittags schossen vier Kanonenschaluppen eine die Nacht vorher bei Andershof unbemerkt aufgeworfene französische Schanze nieder. Am 3. Februar verhielt der Feind sich ruhig. Um Rügen vor einer Landung zu sichern, womit der Feind umzugehen schien, schafften wir Jäger, Kanonen und Fußartellerie dahin. Abends verbrannte man den Rest der Tribseer Vorstadt.
Am 4. Februar ward die Knieper Vorstadt gleichmäßig in Brand gesteckt, und in der Nikolaikirche wurden, vermutlich erstmals seit ihrer Erbauung, Patronen gemacht. Nachmittags um 2 Uhr kam der Oberstleutnant la Brou, Mitglied der Ehrenlegion, als Parlamentär an, und ward nach Verlauf von einer guten Viertelstunde zurückgeschickt. Sein Antrag betraf Auswechslung der gegenseitig gemachten Gefangenen.
Am 5. Februar ging der Oberstleutnant, Baron Boye, früh um 9 Uhr, als Gegenparlamentär, mit der diesseitigen Genehmigung des Auswechslungsgeschäftes nach Miltzow und kehrte nachmittags um 3 Uhr zurück.
Am 6. Februar besuchte Seine Exzellenz der Generalgouverneur und der Freiherr Armfelt die französischen Verwundeten im Lazarett.
Am 7. Februar früh, fielen vor der Franken Schanze einige Schüsse zwischen den Patrouillierenden. Um 2 Uhr nachmittags ging der Oberstleutnant Boye abermals nach Miltzow, um dort drei kriegsgefangene Schweden entgegen zu nehmen. Bald darauf kam ein französischer Offizier, der ebenso viele verwundete Franzosen von uns mitnahm.
Am 8. Februar um halb 8 Uhr früh, Jägerplänkelei bei Hainholz. Weiterhin machten die Kanonenschaluppen den zweiten Versuch auf die wiederhergestellte Batterie bei Andershof, aber ohne Erfolg. Nebenzweck war, einer nach Ystad bestimmten Postyacht fortzuhelfen, die wegen flachen Wassers die Westseite Rügens nicht umsegeln konnte. Allein auch das schlug fehl, und ein Angehöriger der Landwehr auf den Schaluppen ward dabei erschossen. Abends gerieten die Patrouillen bei Papenhagen aneinander.
Am 9. Februar Patrouillenneckereien vor dem Franken und dem Knieper Tore, wobei 2 Jäger vom Engelbrechtenschen Regiment leicht verwundet wurden.
Am 10. Februar früh, sollten Papenhagen und der sogenannte Schubbesche Hof in Grünhufe in Brand geschossen werden, indem diese beiden Punkte es insbesondere waren, von welchen aus der Feind unsere Vorposten bei Nacht und gegen Morgen beunruhigte. Letzteres glückte vollkommen, obwohl die feindlichen Jäger es lebhaft zu verhindern versuchten. Mit Papenhagen konnte es nur nachmittags erst geschehen. Einer unserer Artilleristen ward dabei verwundet.
Am 11. Februar völlig ruhig.
Am 12. Februar scharfes Vorpostengefecht vor der Franken Schanze, das von früh um 9 Uhr bis gegen 11 Uhr dauerte. Wir bekamen einige Tote und mehrere Verwundete. Die Zahl der Verwundeten gab man mit mehr als 30 an.
Am 13. Februar bei der Wachparade wurden 49 Medaillen unter diejenigen Mannschaften verteilt, welche sich am 28. Januar, 1. und 12. Februar besonders auszeichneten. Die Kanonenschaluppen schossen am Vor- und Nachmittag, aber leider ergebnislos.
Am 14. Februar still. Der Major von Essen, der Rittmeister von der Lancken und der Leutnant de Frese vom Elfsborgschen Bataillon wurden wegen Wohlverhaltens bei Kiesow, Elmenhorst und Andershof zu Rittern des Schwerdtordens geschlagen.
Am 15. Februar ruhig.
Am 16. Februar ward das Bataillon Südermanland, nebst einer Eskadron Husaren, 4 schweren Kanonen und 2 Haubitzen unter dem Oberst von Kardell nach Rügen verlegt, weil man eine Landung auf dieser wichtigen Insel, den Schlüssel zur Festung, und jetzt ihrer alleinigen Speisekammer, immer stärker besorgt ward. Ein Glück für uns war, dass diesmal, wie gewöhnlich im Winter, der Strand nicht fror, und also über Eis dahin nicht zu gelangen stand. Sonst wäre sie unfehlbar schon genommen gewesen.
Am 17. Februar nachts liefen 8 Kanonenschaluppen, unter lebhaften, aber unschädlichem Feuer der feindlichen Strandbatterien bei Neuhof aus, und nahmen ihre Station bei Palmerort, der südlichsten Landspitze Rügens, ein. In der Frühstunde fielen einige Schüsse zwischen den Vorposten der Franken Front. Der Rest des Tages verstrich ruhig.
Die Verhandlungsvorschriften und der Wirkungsplan, die der König seinem Stellvertreter erteilte, waren anfangs zwar ein tiefes Geheimnis zwischen diesem und jenem. Gleichwohl gar lange verblieb das Geheimnis nicht bei den beiden. Dass mit der genannten Stärke nicht zugleich im Felde zu handeln, und Stralsund gehörig besetzt zu erhalten stände, begriffen wir alle sehr bald. Lediglich konnte es also nur auf Verteidigung der Festung gegen irgendeinen feindlichen Angriff abgesehen sein; und dahin deutete wirklich auch die gesamten Schritte des kommandierenden Generals, wie unvermerkt sie schon geschah.
Mittlerweile waren die Preußen bei Auerstädt und Jena geschlagen. Immer aber zeigte sich kein Hannibal vor unseren Toren. Es schien sogar, man scheue uns. Indessen ward am 29. Oktober die Festung vorläufig in den Belagerungsstand erklärt, und die höchsten Militärbehörden fingen an, augenscheinlicher, sorgsamer, eilender, wie bisher, von allen Seiten zu Werke zu gehen. Doch beschränkten sie ihre Vorschritte einstweilen hauptsächlich auf stärkeren Ausbau der Palisaden, Anlegung noch mehrerer Außenschanzen, hinlängliches Decken der Grenzen, Aufgebot der Landwehre, Verproviantierung der Stadt, sowohl als der Königlichen Magazine, auf wenigstens vier Monate, und Abführung aller Pommerschen Schiffe bis auf die kleinsten Boote nach Rügen, damit solche dem kommenden Feinde nicht in die Hände fallen, und von ihm für gute Prisen erklärt, oder sonst nachteilig gebraucht werden möchten. Als endlich aber das Korps des Prinzen von Hohenlohe bei Prenzlau, so wie das des Generals Blücher in Lübeck, kapitulierte und letzteren Ortes auch das Schwedische Leibgrenadierregiment in französische Kriegsgefangenschaft geriet; da ging ihre Regsamkeit immer weiter, und keine Vorsichtigkeitsmaßregel, die in Belagerungsfallen üblich zu sein pflegt, bleibt außer Acht. Selbst die allmähliche Demolierung der uns so nützlichen Vorstädte trat ziemlich früh ein. Ja, ein Teil unserer Kriegsbaumeister riet sogar zu vierzehn Fuß hohen Vormauern aller durch die Stadtmauer auf den Wallgang führenden Pforten und Fenster, um uns vor jeder Art von Überraschung dadurch so viel mehr zu sichern; gerade, als ob die künftigen Eroberer, nachdem sie die gesamten Werke überstiegen haben würden, zu allerletzt noch bedürfen könnten , sich durch dergleichen Öffnungen den Eingang in die Stadt zu bahnen.
Den ersten Besuch machten uns die französischen Truppen am Anfange des Novembermonats bei der Gelegenheit, als sie das letzte Häuflein Preußen in unserer Gegend, das unweit von Anklam kapituliert, die eingegangenen Bedingungen aber gebrochen hatte, und jetzt über Loitz, Gützkow, Grimmen, Wolgast sich nach der Insel Usedom zu retten suchte, verfolgten. Ausgehungert und halb nackt, wie sie anlangten, nahmen die Bewohner jener Städte diese Flüchtlinge gastfreundlicher auf, als die Klugheit riet, und mussten solches den nacheilenden Franzosen mit einer Kontribution von beinahe 5000 Reichsthalern entgelten. Auch hörte man von Plünderungen und anderen Exzessen hin und wieder auf dem platten Lande. Sicher aber rührten diese von preußischen Marodeuren her, die in und um Anklam und Ückermünde, mit Offizieren an der Spitze, ihr Unwesen trieben. Seitdem vernahm man von Franzosen weiter nichts bestimmtes, als dass sie sich im preußisch Pommern immer stärker anhäuften.
Am 28. Januar 1807, mit Tagesanbruch, gingen sie unter dem Reichsmarschall Mertier, man sagte 12000 Mann stark, bei Anklam und Meyenkrebs endlich über die ausgetretene, seit etlichen Tagen gefrorene Peene, besetzten Greifswald und drangen bis Miltzow vor, wo der Marschall abends sein Hauptquartier nahm. Unsere Vorposten zogen sich unter beständigen Scharmuziren, insbesondere bei Kiesow, und bei Elmenhorst, gegen 9 Uhr in die Festung zurück, und brachten einige verwundete Gefangene mit. Von unserer Seite blieb der Husarenleutnant Eklund in französischen Händen.
Am 29. Januar bewerkstelligte der Generalleutnant Baron Armfelt, mit reitender Artellerie, Husaren, Dragonern und Jägern bei Andershof eine Aufklärung, welche ein ziemlich lebhaftes Engagement zur Folge hatte, das bis gegen Abend dauerte, und uns einen Toten von der Artellerie nebst etlichen Verwundeten kostete. In der Franken Vorstadt ward mit Niederreißen der noch übrigen Gebäude fortgefahren. An diesem Tage hörte der Postgang aus und nach Pommern auf, indem die Festung sich bereits von allen drei Landseiten eingeschlossen fand.
Am 30. Januar still.
Am 31. Januar nachmittags, traf der holländische Kapitän Baths als Parlamentär vom General Grandjean ein. Sein Anbringen war von keiner Bedeutung. Der Leutnant Clairfelt machte das Gegenkompliment.
Am 1. Februar, früh, eiseten sich einige Kanonenschaluppen aus dem Hafen los, und versuchten, vormittags von 9 bis 11 Uhr, in Gegenwart seiner Exzellenz, des Generalgouverneurs und des Freiherrn Armfelt, unter dem Oberstleutnant Hammerfelt die Wirkung ihres Feuers gegen Andershof zu ermitteln. Die aus Jägern, Husaren und Fußartillerie bestehende Franken Schanzenbesatzung plänkelten mit Tirailleuren der Gegenseite.
Am 2. Februar nachmittags schossen vier Kanonenschaluppen eine die Nacht vorher bei Andershof unbemerkt aufgeworfene französische Schanze nieder. Am 3. Februar verhielt der Feind sich ruhig. Um Rügen vor einer Landung zu sichern, womit der Feind umzugehen schien, schafften wir Jäger, Kanonen und Fußartellerie dahin. Abends verbrannte man den Rest der Tribseer Vorstadt.
Am 4. Februar ward die Knieper Vorstadt gleichmäßig in Brand gesteckt, und in der Nikolaikirche wurden, vermutlich erstmals seit ihrer Erbauung, Patronen gemacht. Nachmittags um 2 Uhr kam der Oberstleutnant la Brou, Mitglied der Ehrenlegion, als Parlamentär an, und ward nach Verlauf von einer guten Viertelstunde zurückgeschickt. Sein Antrag betraf Auswechslung der gegenseitig gemachten Gefangenen.
Am 5. Februar ging der Oberstleutnant, Baron Boye, früh um 9 Uhr, als Gegenparlamentär, mit der diesseitigen Genehmigung des Auswechslungsgeschäftes nach Miltzow und kehrte nachmittags um 3 Uhr zurück.
Am 6. Februar besuchte Seine Exzellenz der Generalgouverneur und der Freiherr Armfelt die französischen Verwundeten im Lazarett.
Am 7. Februar früh, fielen vor der Franken Schanze einige Schüsse zwischen den Patrouillierenden. Um 2 Uhr nachmittags ging der Oberstleutnant Boye abermals nach Miltzow, um dort drei kriegsgefangene Schweden entgegen zu nehmen. Bald darauf kam ein französischer Offizier, der ebenso viele verwundete Franzosen von uns mitnahm.
Am 8. Februar um halb 8 Uhr früh, Jägerplänkelei bei Hainholz. Weiterhin machten die Kanonenschaluppen den zweiten Versuch auf die wiederhergestellte Batterie bei Andershof, aber ohne Erfolg. Nebenzweck war, einer nach Ystad bestimmten Postyacht fortzuhelfen, die wegen flachen Wassers die Westseite Rügens nicht umsegeln konnte. Allein auch das schlug fehl, und ein Angehöriger der Landwehr auf den Schaluppen ward dabei erschossen. Abends gerieten die Patrouillen bei Papenhagen aneinander.
Am 9. Februar Patrouillenneckereien vor dem Franken und dem Knieper Tore, wobei 2 Jäger vom Engelbrechtenschen Regiment leicht verwundet wurden.
Am 10. Februar früh, sollten Papenhagen und der sogenannte Schubbesche Hof in Grünhufe in Brand geschossen werden, indem diese beiden Punkte es insbesondere waren, von welchen aus der Feind unsere Vorposten bei Nacht und gegen Morgen beunruhigte. Letzteres glückte vollkommen, obwohl die feindlichen Jäger es lebhaft zu verhindern versuchten. Mit Papenhagen konnte es nur nachmittags erst geschehen. Einer unserer Artilleristen ward dabei verwundet.
Am 11. Februar völlig ruhig.
Am 12. Februar scharfes Vorpostengefecht vor der Franken Schanze, das von früh um 9 Uhr bis gegen 11 Uhr dauerte. Wir bekamen einige Tote und mehrere Verwundete. Die Zahl der Verwundeten gab man mit mehr als 30 an.
Am 13. Februar bei der Wachparade wurden 49 Medaillen unter diejenigen Mannschaften verteilt, welche sich am 28. Januar, 1. und 12. Februar besonders auszeichneten. Die Kanonenschaluppen schossen am Vor- und Nachmittag, aber leider ergebnislos.
Am 14. Februar still. Der Major von Essen, der Rittmeister von der Lancken und der Leutnant de Frese vom Elfsborgschen Bataillon wurden wegen Wohlverhaltens bei Kiesow, Elmenhorst und Andershof zu Rittern des Schwerdtordens geschlagen.
Am 15. Februar ruhig.
Am 16. Februar ward das Bataillon Südermanland, nebst einer Eskadron Husaren, 4 schweren Kanonen und 2 Haubitzen unter dem Oberst von Kardell nach Rügen verlegt, weil man eine Landung auf dieser wichtigen Insel, den Schlüssel zur Festung, und jetzt ihrer alleinigen Speisekammer, immer stärker besorgt ward. Ein Glück für uns war, dass diesmal, wie gewöhnlich im Winter, der Strand nicht fror, und also über Eis dahin nicht zu gelangen stand. Sonst wäre sie unfehlbar schon genommen gewesen.
Am 17. Februar nachts liefen 8 Kanonenschaluppen, unter lebhaften, aber unschädlichem Feuer der feindlichen Strandbatterien bei Neuhof aus, und nahmen ihre Station bei Palmerort, der südlichsten Landspitze Rügens, ein. In der Frühstunde fielen einige Schüsse zwischen den Vorposten der Franken Front. Der Rest des Tages verstrich ruhig.
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